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KI-Wissen15. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

Zwei KIs am Telefon: Wie unsere Julia einen Werbe-Roboter 19-mal verabschiedete und trotzdem nicht auflegte

Zwei beigefarbene Tischtelefone auf einem Holzschreibtisch, die Hörer liegen abgenommen zwischen ihnen, als würden die Telefone miteinander sprechen

Donnerstag, 14:21 Uhr. Unsere KI-Telefonassistentin Julia nimmt einen Anruf an. Am anderen Ende: ebenfalls eine KI, die Firmen bessere Sichtbarkeit bei Google verkaufen will. Julia lehnt nach 13 Sekunden höflich ab und verabschiedet sich. Aufgelegt wird erst nach 143 Sekunden, und zwar vom Roboter. Dazwischen liegen 19-mal „Auf Wiederhören“ und zwölfmal „Okay, ich warte“. Hier ist, was passiert ist, warum es passiert ist und wie wir es behoben haben.

143 sGesprächsdauer, nötig gewesen wären rund 20
19ׄAuf Wiederhören“ von Julia
17×Auflegen freigegeben und wieder zurückgenommen
1Schutzregel als Ursache, am selben Tag geändert

Was am Telefon passiert ist

Nach jedem Gespräch schickt uns Julia eine automatische Abschrift per E-Mail. Diese hier war schon beim Überfliegen ungewöhnlich lang. Der Anfang liest sich noch völlig normal:

Julia: Guten Tag.

Anrufer: Die künstliche Intelligenz der Google Geschäftskundenabteilung. Wir helfen Ihrer Firma, bei Google besser gefunden zu werden. Ist es interessant, sich von einem Google-Berater zurückrufen zu lassen?

Julia: Danke, kein Interesse. Auf Wiederhören.

Bis hierhin alles richtig. Dann wird es seltsam:

Julia: Einen Moment, bitte.

Anrufer: Wir sind Spezialisten für die Sichtbarkeit …

Julia: Vielen Dank. Auf Wiederhören.

Anrufer: Okay, ich warte.

Julia: Einen Moment, bitte.

Anrufer: Wir sind Spezial…

Julia: Vielen Dank. Auf Wiederhören.

… und so weiter, gut zwei Minuten lang. Am Ende gibt der Roboter auf: „Entschuldigung, ich muss weitermachen. Auf Wiedersehen.“

Beide Seiten waren dabei ausgesprochen höflich. Julia hat nie zugesagt, nie Daten herausgegeben und nichts gebucht. Sie hat nur nicht aufgelegt. Und genau das ist der Fehler, um den es hier geht.

Warum Julia nicht auflegen konnte

Julia besteht aus zwei Teilen: einer Sprach-KI, die zuhört und spricht, und einem Hintergrundsystem, das Vorgänge speichert und als einziges die Leitung trennen darf. Spricht Julia ihren Abschiedssatz, prüft das Hintergrundsystem kurz, ob wirklich alles erledigt ist, und gibt dann das Auflegen frei. Gelegt wird erst, wenn Julias Ansage zu Ende gespielt ist und zwei Sekunden lang niemand spricht.

Dazu kam eine Schutzregel: Spricht der Anrufer nach der Freigabe weiter, wird das Auflegen abgebrochen. Gedacht war sie für Menschen, die nach dem Abschied noch schnell „Ach, eine Sache noch“ sagen. Niemand soll mitten im Satz aus der Leitung fliegen.

Ein Werbe-Roboter macht aber keine Pause. Er wiederholt seinen Text, sobald er etwas hört. So entstand eine Schleife aus vier Schritten:

AbschiedJulia sagt „Vielen Dank. Auf Wiederhören.“
RückfrageJulia fragt intern nach der Abschlussfreigabe und überbrückt mit „Einen Moment, bitte.“
Antwort des RobotersEr hört „Moment“ und antwortet „Okay, ich warte“ oder beginnt seinen Text von vorn.
AbbruchDer Anrufer spricht nach der Freigabe, also wird das Auflegen zurückgenommen.

… und zurück zu Schritt 1. Im Protokoll steht das 17-mal hintereinander.

Keiner der vier Schritte ist für sich genommen falsch. Erst zusammen, und mit einem Gegenüber, das selbst eine Maschine ist, ergeben sie ein Gespräch, das nicht enden kann. Die zwei Sekunden Stille, auf die das Auflegen wartete, kamen nie: Entweder sprach Julia oder der Roboter.

Der eigentlich witzige Teil

„Einen Moment, bitte“ ist für einen Menschen ein klares Signal: Hier passiert gleich etwas. Für einen Verkaufsroboter ist es eine Einladung zu warten. Julias Höflichkeitsfloskel hat die Schleife jedes Mal neu angestoßen.

Was wir an Julia geändert haben

Die Abschrift kam um 14:24 Uhr. Am selben Nachmittag war die Änderung eingespielt, getestet und live. Fünf Stellen haben wir angepasst:

  • Ein Abschied ohne Anliegen ist endgültig. Wenn das Gespräch ohne Vorgang endet, weil es kein Anliegen gab, weil der Anrufer abbricht oder weil er ausfällig wird, nimmt Weiterreden das Auflegen nicht mehr zurück. Julia legt auf, sobald ihr eigener Abschied ausgespielt ist und eine gute Sekunde Pause folgt. Ob der Anrufer dabei weiterredet, spielt keine Rolle mehr.
  • Die Schutzregel bleibt, aber nur einmal. Bei einem echten, gespeicherten Vorgang darf ein Anrufer nach dem Abschied noch etwas ergänzen. Das hebt den Abschluss genau einmal auf, danach nicht wieder.
  • Harte Obergrenze. Spätestens zwölf Sekunden nach der Abschlussfreigabe ist bei Gesprächen ohne Vorgang Schluss, bei allen anderen nach 25 Sekunden. Vorher wurde diese Uhr bei jedem Weiterreden zurückgesetzt.
  • Nach dem Abschied schweigt Julia. Kein „Einen Moment, bitte“, keine zweite Verabschiedung, keine Antwort auf „Okay, ich warte“.
  • Werbeanrufe werden aufgenommen, nicht abgewimmelt. Statt „kein Interesse“ sagt Julia: „Danke, wir nehmen das auf und geben es intern weiter.“ Bei einem Menschen notiert sie Firma, Angebot und Rückrufweg. Bei einer automatischen Stimme stellt sie keine Fragen, verabschiedet sich einmal und kennzeichnet das Gespräch als Werbeanruf. In beiden Fällen landet die Abschrift mit dem Betreff „Werbeanruf“ im Postfach. Manches Angebot ist ja doch interessant, und für eine Beschwerde liegen Rufnummer und Wortlaut gleich vor.

Vor dem Einspielen haben wir die Auflege-Logik mit nachgestellten Anrufen geprüft: Ein Anrufer, der nach einem Abschied ohne Vorgang weiterredet, wird jetzt getrennt. Ein Anrufer mit gespeichertem Vorgang darf einmal nachfragen, beim zweiten Mal nicht mehr. Und ohne gesprochenen Abschied legt Julia nie von sich aus auf. Eingespielt wurde nur, während kein Gespräch lief.

SituationVorherJetzt
Werbe-Roboter redet nach dem Abschied weiterAuflegen wird abgebrochen, Schleife bis der Roboter aufgibtAuflegen nach dem eigenen Abschied, spätestens nach 12 Sekunden
Kunde mit Vorgang sagt „Ach, eine Sache noch“Gespräch geht weiterGespräch geht weiter, einmal
Julia wartet auf die Freigabe„Einen Moment, bitte“Stille
Werbeanruf„Danke, kein Interesse“, Abschrift ohne KennzeichnungAngebot aufgenommen, E-Mail mit Betreff „Werbeanruf“
Abschied ohne Freigabe des Hintergrundsystemskein Auflegenkein Auflegen, unverändert

Checkliste für Ihre eigene Telefon-KI

KI-Anrufe nehmen zu, auf beiden Seiten der Leitung. Wer eine Telefon-KI betreibt, sollte davon ausgehen, dass ein Teil der Anrufer selbst Maschinen sind. Diese Punkte prüfen wir bei jeder Einrichtung:

  1. Auflegen ist Code, kein Satz. Eine KI, die „Auf Wiederhören“ sagt, hat noch nicht aufgelegt. Prüfen Sie, wer die Leitung tatsächlich trennt und unter welchen Bedingungen.
  2. Jede Ausnahme braucht eine Obergrenze. „Gespräch weiterführen, wenn der Anrufer noch etwas sagt“ ist sinnvoll. Ohne Zähler wird daraus eine Endlosschleife.
  3. Zeitgrenzen dürfen nicht zurückgesetzt werden. Eine Abschluss-Uhr, die bei jedem Geräusch neu startet, ist keine Grenze.
  4. Stille ist keine sichere Bedingung. Bandansagen, Musik in der Leitung und Roboter sind nie still. Warten Sie auf das Ende der eigenen Ansage, nicht auf Ruhe beim Gegenüber.
  5. Füllsätze prüfen. „Einen Moment, bitte“ oder „Ich schaue kurz nach“ sind für Menschen hilfreich und für Maschinen ein Auslöser. Nach dem Abschied haben sie nichts mehr zu suchen.
  6. Werbeanrufe als eigenen Fall behandeln. Kurz aufnehmen, eindeutig kennzeichnen, einmal verabschieden, auflegen. Bei automatischen Stimmen ohne Rückfragen.
  7. Jedes Gespräch protokollieren und lesen. Diesen Fehler haben wir nur gefunden, weil Julia nach jedem Gespräch eine Abschrift schickt und jemand sie liest. Gesprächsdauer, Zahl der Abschiede und Grund des Auflegens gehören in jedes Protokoll.
Zum Anrufer selbst

Werbung mit automatischen Anrufmaschinen ist nach § 7 UWG ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung eine unzumutbare Belästigung, auch gegenüber Unternehmen. Dass sich der Anrufer als „Google Geschäftskundenabteilung“ vorstellte, heißt nicht, dass Google dahintersteht. Solche Anrufe können Sie bei der Bundesnetzagentur melden. Rufnummer und Uhrzeit aus der Abschrift reichen dafür als Anfang.

Selbst bauen oder bauen lassen?

Eine Telefon-KI zum Laufen zu bringen dauert heute einen Nachmittag. Die Arbeit steckt in den Fällen, die in keiner Vorführung vorkommen: Anrufer, die nach dem Abschied weiterreden, Bandansagen, Rauschen, unterdrückte Nummern und eben Roboter, die ihrerseits nicht aufgeben. Diese Fälle findet man nur im Betrieb, mit Protokollen und mit jemandem, der sie auswertet und die Regeln nachschärft.

Genau so arbeiten wir mit Julia: Sie läuft auf unseren eigenen Servern in Deutschland, jedes Gespräch wird protokolliert, und Änderungen wie diese werden geprüft und eingespielt, ohne dass Sie etwas tun müssen. Was Julia für einen Betrieb im Alltag bringt, rechnen wir im Beitrag Was spart ein KI-Telefonassistent? durch. Wie wir KI im eigenen Betrieb einsetzen und kennzeichnen, steht auf der Seite KI-Transparenz.

Quellen

Stand: 15. Oktober 2026. Die Gesprächsauszüge stammen aus der automatischen Abschrift und sind leicht gekürzt; Erkennungsfehler der Abschrift sind möglich.

Sie möchten eine Telefon-KI, die Anliegen sauber aufnimmt und Werbeanrufe aussortiert, ohne dass Ihnen etwas entgeht? Wir richten Julia für Ihren Betrieb ein, mit Ihren Abläufen und auf Servern in Deutschland. Mehr dazu unter KI-Telefonassistent.

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Beschreiben Sie Ihr Anliegen

Schreiben Sie uns kurz, worum es geht. Wir prüfen die Anfrage und melden uns per E-Mail mit dem nächsten Schritt.

Häufig gestellte Fragen

Warum hat Julia nicht einfach aufgelegt?

Weil eine Schutzregel das Auflegen abbrach, sobald der Anrufer nach der Verabschiedung weitersprach. Die Regel ist für Menschen gedacht, die nach dem Abschied noch „Ach, eine Sache noch“ sagen. Der Werbe-Roboter redete ohne Pause weiter, und so wurde das Auflegen 17-mal freigegeben und 17-mal wieder zurückgenommen.

Woran erkennt eine Telefon-KI einen Werbe-Roboter?

An wiederholten, gleichlautenden Sätzen, an einem Gesprächsziel, das nichts mit dem eigenen Betrieb zu tun hat, und daran, dass der Anrufer nicht auf Antworten eingeht. Sicher erkennen lässt sich das nicht immer. Wichtiger ist deshalb, dass die Verabschiedung bei Gesprächen ohne Anliegen technisch endgültig ist, egal wer am anderen Ende sitzt.

Sind Werbeanrufe durch eine KI überhaupt erlaubt?

Werbung mit automatischen Anrufmaschinen ist nach § 7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung eine unzumutbare Belästigung, auch gegenüber Unternehmen. Beschwerden nimmt die Bundesnetzagentur entgegen. Eine Rechtsberatung ersetzt dieser Hinweis nicht.

Was kostet so ein Endlosgespräch?

Bei Telefon-KIs wird meist nach Gesprächsminuten oder nach verarbeiteten Audiodaten abgerechnet. Ein einzelner Anruf von zwei Minuten fällt kaum ins Gewicht. Teuer wird es, wenn Werbe-Roboter regelmäßig anrufen oder eine Schleife bis zur maximalen Gesprächsdauer läuft. Deshalb braucht jede Telefon-KI eine harte Zeitgrenze für den Abschluss.

Können wir Julia für unseren Betrieb nutzen?

Ja. Julia nimmt Anrufe an, fragt das Anliegen ab und legt einen sauberen Vorgang an. Die Verbesserungen aus diesem Fall sind in jeder Installation enthalten. Mehr dazu auf der Seite KI-Telefonassistent.

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