Die Aussagen auf dieser Seite über Pestizid-Belastung der Außenluft, Lücken im behördlichen Monitoring und die Beweislast-Asymmetrie für Anwohner stützen sich auf folgende Belege. Sie sind sortiert nach methodischer Belastbarkeit.
Peer-reviewte Primärstudie zur Luftbelastung
Kruse-Plaß, M., Hofmann, F., Wosniok, W. et al. (2021): Pesticides and pesticide-related products in ambient air in Germany. Environmental Sciences Europe 33, 114. doi.org/10.1186/s12302-021-00553-4 — bundesweite Passivsammler-Studie an 163 Standorten, 138 Wirkstoffe nachgewiesen, an etwa drei Vierteln der Standorte 5 bis 34 Wirkstoffe. Selbst auf der Spitze des Brockens im Nationalpark Harz waren zwölf Pestizide nachweisbar.
Bundesweite Studie „Pestizid-Belastung der Luft"
Umweltinstitut München & Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft (2020): Pestizid-Belastung der Luft. Eine deutschlandweite Studie zur Ermittlung der Belastung der Luft mit Hilfe von technischen Sammlern, Bienenbrot, Filtern aus Be- und Entlüftungsanlagen sowie Luftgüte-Rindenmonitoring. Durchgeführt von TIEM Integrierte Umweltüberwachung GbR. Studie als PDF.
Baumrindenstudie: 47 Standorte, 106 Substanzen
TIEM Integrierte Umweltüberwachung im Auftrag des Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft (2019): Luftgüte-Rindenmonitoring an 47 Standorten in Deutschland. An allen Standorten Pestizid-Belastung nachgewiesen, insgesamt 106 Substanzen, häufigster Wirkstoff Pendimethalin, auf Platz zwei DDT (in Deutschland seit Jahrzehnten verboten). Übersicht beim BEL.
UBA-Statement zum Pestizid-Ferntransport
Umweltbundesamt-Präsident Dirk Messner (2020) zur TIEM-Studie: Die Studie liefere wertvolle und deutschlandweite Daten zur Verbreitung von Pestiziden über die Luft, die Datenlage sei bisher dürftig. Für Abstände bis 20 Meter werde in der Zulassung untersucht, ob Spritzmittel die Umwelt schädigen — weiter entfernte Konzentrationen seien zwar überwiegend deutlich unter den im Nahbereich zugelassenen Werten, doch der Ferntransport bereite „eine gewisse Sorge". Hintergrund: Wirkstoffe könnten sich an anderen Orten als Cocktail kombinieren.
UBA: Strukturelle Lücken im Zulassungs-System
Umweltbundesamt (Stand 2025): Pestizidzulassungen hebeln Umweltschutz aus. Den deutschen Behörden sei es derzeit nicht möglich, die Umwelt effektiv vor schädlichen Pestiziden zu schützen; europarechtliche Neuregelung gefordert. Beispielhaft genannte Wirkstoffe: S-Metolachlor (Zulassung in Deutschland zum 23. April 2024 widerrufen), Flufenacet (auslaufend 2026). UBA-Themenseite.
Pestizidatlas 2022 (Datenkompendium)
Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, PAN Germany & Le Monde Diplomatique (2022): Pestizidatlas. Daten und Fakten zu giftigen Chemikalien in der Landwirtschaft. 19 Kapitel zu Anwendung, Folgen, Akteuren, Alternativen. Rund 30.000 Tonnen Pestizide werden jährlich auf deutschen Äckern ausgebracht. boell.de/de/pestizidatlas (PDF kostenfrei).
Lokale Bürger-Wissenschafts-Pilots als Vorbild
BUND-Bezirksgruppe Schönberg (2022/2023): Messung des Pestizideintrags durch die Luft in das Naturschutzgebiet „Ölberg Ehrenstetten" mittels TIEM-Passivsammlern auf BUND-eigenen Flächen. Beispiel für ein lokales bürgerwissenschaftliches Drift-Monitoring-Setup, an das der Drift-Wächter methodisch anschließt. Abschlussbericht (PDF).
Diese Belegliste wird laufend aktualisiert. Hinweise auf weitere zitierfähige Studien und Fachveröffentlichungen sind willkommen — gerne per E-Mail an [email protected].