Fünf KI-Werkzeuge von Google im Praxischeck: Stitch, Opal, Antigravity, AI Studio und Flow
Ein kurzer Clip verspricht fünf KI-Werkzeuge von Google, mit denen sich Apps, Websites, Automationen und Videos bauen lassen, und alle sollen nichts kosten. Wir haben jedes Werkzeug aufgerufen, die offiziellen Seiten gelesen und geprüft, was davon in Deutschland heute wirklich nutzbar ist. Ergebnis: Drei lohnen den Test sofort, eines braucht ein Abo für ernsthafte Arbeit, und eines wird in einem Monat abgeschaltet.
Worum es im Video geht
Auslöser ist ein YouTube-Short von Sebastian Hardy (Kanal „AI Marketing“) vom 7. Oktober 2026 mit dem Titel „Don't build until you see these 5 Google AI tools“. In 47 Sekunden stellt er fünf Werkzeuge vor: Stitch entwirft App- und Website-Bildschirme samt Code, Opal baut Automationen aus einer Beschreibung in Alltagssprache, Antigravity ist Googles Programmierumgebung mit eingebautem Agenten, AI Studio macht aus einem einzigen Prompt eine teilbare App, und Flow ist ein Bild- und Videostudio. Das Versprechen lautet, alle fünf seien „completely free“.
Wir haben das Video transkribiert und jede Aussage gegen die Seiten von Google geprüft. Stand aller Angaben: 15. Oktober 2026.
Die fünf Werkzeuge auf einen Blick
| Werkzeug | Wofür | Ohne Abo | In Deutschland |
|---|---|---|---|
| Stitch | Bildschirme für Apps und Websites entwerfen, Code und Figma-Export | ja, Beta | erreichbar |
| Opal | KI-Mini-Apps und Workflows aus Alltagssprache | ja | nicht freigegeben, Abschaltung 17.11.2026 |
| Antigravity | Programmieren mit KI-Agenten: App, IDE, Kommandozeile, Erweiterungen | ja, mit Wochenlimit | verfügbar, deutsche Oberfläche |
| AI Studio | Web- und Android-Apps per Prompt bauen, teilen, exportieren | ja, bezahlte Modelle extra | verfügbar |
| Flow | Bilder und Videos mit Veo, Nano Banana und Gemini Omni | knapp, Credits nach Abo | verfügbar, ab 18 Jahren |
Google Stitch: App-Bildschirme aus einer Beschreibung

Sie beschreiben eine App oder Website in einem Satz, laden eine Skizze hoch oder geben einen Screenshot als Vorlage. Stitch entwirft daraus mehrere zusammenhängende Bildschirme, die Sie im Chat verfeinern: andere Farben, mehr Abstand, ein zusätzlicher Bildschirm für den Warenkorb. Seit dem Frühjahr 2026 arbeitet Stitch auf einer großen Arbeitsfläche, erzeugt mehrere Bildschirme auf einmal und verbindet sie zu einem klickbaren Prototyp. Die Entwürfe lassen sich als Frontend-Code exportieren oder nach Figma übernehmen.

Für wen: Betriebe, die vor einem Website-Relaunch oder einer App-Idee stehen und schnell sehen wollen, wie das aussehen könnte. Ein Entwurf in Stitch ersetzt kein Konzept, macht aber Gespräche über Aufbau und Inhalt deutlich konkreter.
Der Haken: Die Entwürfe wirken oft austauschbar, weil sie den Mustern folgen, die das Modell am häufigsten gesehen hat. Ihre Marke, Ihre Texte und echte Inhalte müssen Sie selbst hineinbringen. Der exportierte Code ist eine Oberfläche ohne Funktion dahinter.
Google Stitch öffnen →Google Opal: Automationen in Alltagssprache, aber nicht hier

Opal baut aus einer Beschreibung wie „Suche Trends zu meinem Thema im Netz und schreibe daraus einen Bericht“ einen Ablauf aus Bausteinen: Eingabe, KI-Schritt, Websuche, Ausgabe in ein Google-Dokument. Seit Februar 2026 gibt es einen Agenten-Baustein, der selbst plant, nachfragt und Zwischenstände in Google Sheets ablegt. Im Video heißt es dazu, das sei wie Zapier, nur ohne Rechnung.
Erstens steht Deutschland nicht auf der Länderliste in Googles Opal-FAQ, ebenso wenig die übrigen EU-Staaten. Zweitens schaltet Google Opal am 17. November 2026 ab. Die Workflows gehen in den Skills von Gemini auf, werden aber nicht automatisch übernommen. Ihre Dateien bleiben in Google Drive unter „Meine Ablage > Opal“, die Prompts lassen sich mit einem Texteditor herauslesen.
Was das für Sie heißt: Bauen Sie keine Abläufe auf Opal auf. Das Beispiel zeigt gut, wie schnell ein Experiment aus Google Labs wieder verschwindet. Wer Anfragen sortieren, Rechnungen ablegen oder Berichte erzeugen lassen will, braucht eine Automation, die auch in zwei Jahren noch läuft und deren Daten in einem Rechenzentrum liegen, das Sie kennen.
Opal-FAQ mit Abschaltdatum lesen →Google Antigravity: Programmieren mit Agenten

Antigravity ist Googles Antwort auf Claude Code und Codex. Ein KI-Agent liest Ihr Projekt, plant Änderungen, schreibt Code, führt Befehle aus und zeigt die Unterschiede zur Prüfung an. Inzwischen ist daraus eine ganze Familie geworden: die Antigravity-App, eine eigenständige IDE, eine Kommandozeile, Erweiterungen für VS Code, Visual Studio, JetBrains, Zed und Xcode sowie ein Python-SDK für eigene Agenten.
Der Tarif für Einzelpersonen kommt ohne Abo aus und enthält laut Preisseite unbegrenzte Tab-Vervollständigungen, unbegrenzte Befehlsanfragen und Basis-Wochenlimits für die Agenten. Mehr Kontingent gibt es mit Google AI Pro und Ultra, Unternehmen buchen über Google Cloud. Das neueste Modell Gemini 4 Argon, angekündigt am 13. Oktober 2026, steht zum Start nur Ultra-Abonnenten zur Verfügung.
Der Haken: „Das Gleiche wie Claude Code, nur ohne Kosten“ stimmt so nicht. Die Wochenlimits sind nicht als feste Zahl veröffentlicht, und wer täglich damit arbeitet, stößt schnell an sie. Für einen ersten Eindruck oder kleine Projekte reicht der Tarif aber gut. Wie man Agenten mit festen Regeln und Prüfschritten führt, beschreiben wir im Beitrag Agent Harness Engineering.
Antigravity herunterladen →Google AI Studio: vom Prompt zur teilbaren App

Im Build-Modus beschreiben Sie eine Anwendung, und AI Studio baut sie mit Vorschau im Browser: eine Web-App mit React-Oberfläche und Node.js-Server oder eine Android-App in Kotlin. Auf Wunsch kommen Datenbank und Anmeldung über Firebase dazu. Fertige Apps teilen Sie per Link, synchronisieren sie mit einem GitHub-Repository, laden sie als ZIP herunter oder stellen sie auf Google Cloud Run bereit. Der API-Schlüssel liegt dabei serverseitig und nicht im Code, den der Browser sieht.
Ausprobieren geht ohne Abo. Kosten entstehen, sobald Sie kostenpflichtige Modelle nutzen oder auf Cloud Run veröffentlichen. Wichtig beim Teilen: Die Aufrufe anderer Nutzer laufen über Ihr Kontingent.
Außerhalb Europas verwendet Google Eingaben in unbezahlten Diensten der Gemini API zur Verbesserung seiner Produkte, teils mit menschlicher Prüfung. Für Nutzer in der EU gelten laut Nutzungsbedingungen auch ohne Bezahlung die strengeren Datenregeln der bezahlten Dienste. Entscheidend für Betriebe: Wer eine App Nutzern in der EU bereitstellt, darf dafür nur bezahlte Dienste verwenden. Ein geteilter Link an Ihre Kunden ist damit ein Fall für den bezahlten Tarif. Kundendaten, Verträge und interne Zahlen gehören ohnehin nicht in ein Testprojekt.
Google Flow: Bild- und Videostudio

Flow ist das Werkzeug, das der Videoautor nach eigener Aussage jede Woche öffnet. Es bündelt Googles Videomodell Veo 3.1, die Bildmodelle unter dem Namen Nano Banana und das neue Gemini Omni, das Videos aus beliebigen Vorlagen erstellt und bearbeitet. Ein Agent im Prompt-Feld erzeugt auf Zuruf mehrere Varianten einer Szene, etwa mit unterschiedlichem Licht. Clips lassen sich zu Szenen zusammensetzen und weiterführen.

Der Haken: Flow rechnet in Credits. Ohne Abo bleibt nur ein kleines Kontingent, das für wenige kurze Clips der einfacheren Modelle reicht. Für regelmäßige Arbeit braucht es ein Google-AI-Abo. Google weist selbst darauf hin, dass Funktionen je nach Abo, Plattform und Region variieren. Mehr zu Flow und zum Musikableger Flow Music lesen Sie in unserem Beitrag Google Flow und Flow Music.
Google Flow öffnen →Was davon wirklich ohne Abo geht
- Stitch: ja, mit Google-Konto. Als Beta von Google Labs ohne Zusage, wie lange das so bleibt.
- Opal: in Deutschland gar nicht, ab 17. November 2026 nirgends mehr.
- Antigravity: ja, mit Basis-Wochenlimits. Das stärkste Modell nur im teuersten Abo.
- AI Studio: ja zum Bauen und Testen. Bezahlte Modelle und Hosting kosten extra.
- Flow: nur zum Reinschnuppern. Ernsthafte Videoarbeit läuft über ein Abo.
Unsere Einschätzung
Für einen schnellen Prototyp sind Stitch, AI Studio und Antigravity stark. In einer Stunde steht ein klickbarer Entwurf, über den man mit Kollegen, Kunden oder einem Entwickler sprechen kann. Das spart Abstimmungsrunden und macht Ideen greifbar.
Zwischen Prototyp und Betrieb liegt aber mehr, als die Clips zeigen:
- Werkzeuge verschwinden. Opal ist das beste Beispiel. Was in Google Labs startet, ist ein Experiment und kann mit einem Monat Vorlauf enden.
- Daten wandern in die USA. Testkonten sind für Testdaten. Für personenbezogene Daten braucht es bezahlte Tarife, einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung und eine Prüfung nach DSGVO.
- Limits und Preise ändern sich. Kontingente werden ohne große Ankündigung angepasst. Ein Ablauf, auf den Ihr Betrieb angewiesen ist, sollte nicht an einem Wochenlimit hängen.
- Code exportieren und behalten. AI Studio und Stitch geben den Code heraus. Nutzen Sie das, sichern Sie ihn in einem eigenen Repository und betreiben Sie die Anwendung dort, wo Sie die Kontrolle haben.
Einen breiteren Überblick über KI-Werkzeuge für den Arbeitsalltag finden Sie in unserer Liste Die 20 besten KI-Tools 2026. Wie Sie mit freien Kontingenten und einem kleinen Server weit kommen, steht im Beitrag KI mit leerem Geldbeutel.
Quellen
- Sebastian Hardy: Don't build until you see these 5 Google AI tools, YouTube Short vom 7. Oktober 2026
- Google Stitch: Startseite und Funktionsumfang
- Opal-FAQ: Länderliste, Abschaltung am 17. November 2026, Skills in Gemini
- Google Blog: Opal in mehr als 160 Ländern, 6. November 2025
- Antigravity Preise und Downloads: Tarife, Produkte, Systemvoraussetzungen
- Antigravity-Blog: Gemini 4 Argon, 13. Oktober 2026
- Google AI for Developers: Build mode in AI Studio, Stand 20. August 2026
- Nutzungsbedingungen der Gemini API: Datenverwendung, Regeln für Nutzer in der EU
- Google Flow und Flow-Hilfe: Modelle, Agent, Altersgrenze
Stand der Angaben: 15. Oktober 2026. Die Aufnahmen der Startseiten zeigen den Zustand an diesem Tag. Tarife, Kontingente und Verfügbarkeit ändern sich bei allen fünf Werkzeugen regelmäßig.
Sie haben einen Prototyp aus AI Studio oder Stitch und wollen daraus eine Anwendung machen, die im Betrieb läuft? Wir übernehmen den Code, bauen Anmeldung, Datenhaltung und Sicherung dazu und betreiben das Ganze auf Servern in Deutschland. Mehr dazu unter App-Entwicklung und KI-Lösungen.