Unbabel: KI-Übersetzung aus Lissabon, heute bei TransPerfect
Unbabel ist ein 2013 in Lissabon gegründetes Unternehmen für KI-gestützte Übersetzung, vor allem im Kundenservice. Bekannt wurde es mit der Kombination aus maschineller Übersetzung und menschlicher Nachkontrolle sowie mit eigenen Forschungsergebnissen wie dem Bewertungsmodell COMET. Im August 2025 übernahm der US-Übersetzungsdienstleister TransPerfect das Geschäft. Dieser Beitrag zeigt, was Unbabel anbot und wie der Stand heute ist.
KI-Übersetzung für Kundenservice, seit 2025 bei TransPerfect
Seit August 2025 Teil von TransPerfect; die portugiesische Gesellschaft wurde im März 2026 für insolvent erklärt und wird liquidiert
- LandPortugal
- SitzLissabon
- Gegründet2013
- Schnittstellenein, Zugang nur über die Firma
Was Unbabel macht
Unbabel wurde 2013 von Vasco Pedro, João Graça, Sofia Pessanha, Bruno Silva und Hugo Silva gegründet. Die Plattform übersetzte Kundenanfragen, E-Mails und Chats automatisch und ließ das Ergebnis bei Bedarf von Menschen prüfen. Unbabel vermarktete das als Language-Operations-Plattform und lieferte Anbindungen an Salesforce, Zendesk, Intercom und Freshdesk.
Im Forschungsbereich entwickelte Unbabel COMET, ein verbreitetes Verfahren zur Qualitätsbewertung maschineller Übersetzung, sowie die Sprachmodell-Familie Tower. Beide sind als Open Source veröffentlicht, die Tower-Modelle liegen auf Hugging Face.
Übernahme und Insolvenz
Nach einer gescheiterten Finanzierungsrunde wurde Unbabel im August 2025 an TransPerfect verkauft, der Preis wurde nicht genannt. TransPerfect kündigte an, TowerLLM und COMET in den eigenen GlobalLink-Technologiestapel zu integrieren und Unbabel als Geschäftsbereich weiterzuführen.
Die portugiesische Gesellschaft blieb mit Schulden zurück. Die wichtigsten Schritte laut portugiesischer Wirtschaftspresse:
- August 2025. Verkauf der Vermögenswerte der Unbabel Inc. an TransPerfect.
- 10. März 2026. Ein Lissabonner Gericht erklärt die portugiesische Unbabel für insolvent.
- 2. Juli 2026. Die Gläubiger stimmen einstimmig für die Liquidation, die Forderungen liegen bei rund 15,5 Millionen Euro.
- Streitpunkte. Ein Investor klagt auf Aufhebung des Verkaufs, die Förderbehörde IAPMEI fordert Fördergelder zurück.
Für wen das Angebot gedacht ist
Unbabel richtete sich an Unternehmen mit mehrsprachigem Kundenservice, etwa aus Handel, Reise, Technik und Spielebranche, sowie an Callcenter-Dienstleister. Wer heute mit Unbabel arbeiten möchte, verhandelt faktisch mit TransPerfect. Für neue Projekte in Deutschland lohnt der Blick auf andere Übersetzungsdienste mit offener API oder auf lokal betriebene Modelle, darunter die frei verfügbaren Tower-Modelle selbst.
Der Fall zeigt auch ein allgemeines Risiko: Wer Übersetzung tief in Kundenservice und Shop einbaut, sollte die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter klein halten. Eine saubere Schnittstelle im eigenen System macht es leichter, den Dienst später auszutauschen, ohne alle Abläufe neu aufzusetzen.
Einordnung
Das Unbabel-Geschäft ist heute ein Bereich von TransPerfect und wird über Unternehmensverträge vertrieben, eine Self-Service-API ist nicht mehr dokumentiert. Für Betriebe interessant sind allenfalls die Open-Source-Modelle Tower und COMET, die sich auch auf eigener Hardware betreiben lassen.
Eine fertige Schnittstelle, die wir für Betriebe anbinden könnten, bietet die Firma derzeit nicht öffentlich an. Wenn Sie in diesem Bereich eine eigene Lösung brauchen, bauen wir sie als Software nach Maß.
Quellen
- TransPerfect, Pressemitteilung zur Übernahme von Unbabel
- ECO, Unbabel segue para liquidação (Juli 2026)
- Wikipedia, Unbabel
- Unbabel auf Hugging Face
Stand der Angaben: 19. Oktober 2026. Die Netzhandwerker sind kein Partner der genannten Firmen. Produkt- und Firmennamen gehören den jeweiligen Inhabern, Logos dienen nur der Kennzeichnung.