Eine Blockchain bauen: wie das geht, was sie kostet und was sie wirklich kann
Eine Blockchain ist im Kern eine Liste, die man nur verlängern, aber nicht unbemerkt ändern kann, und die nicht einer Stelle gehört, sondern vielen. Das Grundprinzip passt in 20 Zeilen Code. Teuer und schwierig wird alles drumherum: das Netz aus Knoten, die Einigung zwischen den Teilnehmern, die Prüfung der Smart Contracts und der Betrieb über Jahre. Dieser Beitrag zeigt, wie eine Blockchain aufgebaut ist, welche vier Wege es zur eigenen gibt, wo die Kosten tatsächlich liegen und in welchen Fällen eine gewöhnliche Datenbank die bessere Wahl ist. Sie brauchen dafür keine Vorkenntnisse: Wir beginnen mit einem Kassenbuch auf Papier und arbeiten uns von dort bis zum Serverschrank vor.
Alle Zahlen aus den unten genannten Quellen, Stand 6. November 2026. Der Stromverbrauch von Bitcoin ist ein Schätzwert mit großer Spanne.
- Das Prinzip ohne Technik
- So funktioniert eine Blockchain
- Eine Blockchain in 20 Zeilen
- Was sie kann und was nicht
- Brauchen Sie überhaupt eine?
- Vier Wege zur eigenen Blockchain
- Ein Beispiel von Anfang bis Ende
- Der Bau Schritt für Schritt
- Was eine Blockchain kostet
- Wo sie läuft und wo sie scheiterte
Das Prinzip ohne Technik: das gemeinsame Kassenbuch
Stellen Sie sich einen Verein vor, in dem es Streit ums Geld gibt. Bisher führt der Kassenwart das Kassenbuch allein. Wer ihm vertraut, hat kein Problem. Wer ihm nicht vertraut, kann nicht prüfen, ob er nachträglich eine Zeile geändert, eine Seite herausgerissen oder eine Ausgabe vordatiert hat.
Die Lösung ohne Kassenwart sähe so aus: Jedes Mitglied führt ein eigenes, identisches Kassenbuch. Wird etwas eingetragen, sagt man es laut in der Runde an, alle prüfen, ob es stimmt, und alle schreiben dieselbe Zeile in ihr eigenes Buch. Am Ende jeder Seite schreiben alle eine Prüfzahl darunter, die sich aus allen Zeilen der Seite und der Prüfzahl der Vorseite ergibt. Wer später heimlich in seinem Buch etwas ändert, hat plötzlich eine andere Prüfzahl als alle anderen und fällt sofort auf.

Genau das ist eine Blockchain, nur mit Computern statt Menschen. Die Mitglieder heißen Knoten, die Seiten heißen Blöcke, die Prüfzahl heißt Hash, und die Regel, wer die nächste Seite schreiben darf, heißt Konsens. Der Unterschied zum Verein: Die Computer machen das tausendfach schneller, sie rechnen die Prüfzahlen fehlerfrei aus, und die Teilnehmer müssen sich nicht persönlich kennen.
Zentrales Register
Eine Stelle führt das Buch, alle anderen fragen dort nach. So arbeiten Bank, Grundbuchamt und jede gewöhnliche Datenbank. Schnell und günstig, aber alle müssen dieser Stelle vertrauen.
Verteiltes Register (Blockchain)
Jeder Teilnehmer hat eine vollständige Kopie, und alle sind miteinander verbunden. Niemand kann allein ändern, was drinsteht. Dafür muss jede neue Zeile von vielen geprüft werden.
Schematische Darstellung. Orange: das Register. In der Blockchain liegt es bei jedem Teilnehmer.
Schon an diesem Bild sieht man den wichtigsten Punkt dieses Beitrags: Eine Blockchain ist keine bessere Datenbank. Sie ist langsamer und aufwendiger. Sie lohnt sich nur dann, wenn das eigentliche Problem fehlendes Vertrauen ist und niemand den Kassenwart spielen soll.
So funktioniert eine Blockchain
Eine Blockchain besteht aus drei Bausteinen, die jeder für sich alt und bewährt sind. Erst die Kombination ergibt das, was 2008 im Bitcoin-Papier beschrieben wurde.
- Verkettete Blöcke. Einträge werden in Blöcken gesammelt. Jeder Block enthält eine Prüfsumme (Hash) seines Vorgängers. Ein Hash ist ein Fingerabdruck: Ändert sich im Block auch nur ein Zeichen, entsteht ein völlig anderer Wert.
- Verteilte Kopien. Die Kette liegt nicht auf einem Server, sondern als vollständige Kopie bei vielen Teilnehmern, den Knoten. Jeder Knoten kann selbst nachrechnen, ob die Kette in sich stimmig ist.
- Einigung ohne Chef. Ein Konsensverfahren legt fest, wer den nächsten Block anhängen darf. Bei Bitcoin gewinnt, wer zuerst eine Rechenaufgabe löst (Proof of Work). Bei Ethereum werden Prüfer per Zufall aus denen gewählt, die Kapital hinterlegt haben (Proof of Stake). In privaten Netzen stimmen bekannte Validatoren ab, etwa mit QBFT.
Der Fingerabdruck: was ein Hash ist
Ein Hash ist eine Rechenvorschrift, die aus beliebigen Daten eine Zeichenkette fester Länge macht. Bei dem verbreiteten Verfahren SHA-256 sind das immer 64 Zeichen, egal ob Sie ein Wort oder ein ganzes Buch hineingeben. Drei Eigenschaften machen ihn so nützlich: Gleiche Eingabe ergibt immer denselben Hash. Die kleinste Änderung ergibt einen völlig anderen Hash. Und aus dem Hash lässt sich die Eingabe nicht zurückrechnen.
Echte SHA-256-Werte, von uns berechnet. Eine andere Ziffer oder ein kleiner Anfangsbuchstabe ergibt einen völlig anderen Fingerabdruck.
Für die Blockchain heißt das: Jeder Block trägt den Hash seines Vorgängers in sich. Ändert jemand einen alten Block, ändert sich dessen Hash, und der nächste Block zeigt plötzlich ins Leere. Die Grafik zeigt, wie das aussieht.
Intakte Kette: jeder Block kennt den Fingerabdruck seines Vorgängers
0000…0000eigener Hash7c1e…a94f7c1e…a94feigener Hash3b9d…02c73b9d…02c7eigener Hashe540…71bbNachträglich geändert: Block 1 bekommt einen neuen Hash, die Kette reißt
0000…0000eigener Hashd02a…5e187c1e…a94feigener Hash3b9d…02c73b9d…02c7eigener Hashe540…71bbBeispielansicht mit gekürzten Hashwerten. Wer Block 1 fälschen will, müsste alle folgenden Blöcke neu berechnen und das bei der Mehrheit der Knoten gleichzeitig durchsetzen.
Genau das ist der Kern: Eine Fälschung ist nicht unmöglich, aber sofort sichtbar, und um sie durchzusetzen, müsste ein Angreifer die Mehrheit des Netzes kontrollieren. Je mehr unabhängige Teilnehmer, desto teurer wird das.
Wer darf den nächsten Block anhängen?
Im Verein reicht Handzeichen. Im Internet, wo sich die Teilnehmer nicht kennen und jeder beliebig viele Rechner anmelden könnte, braucht es härtere Regeln. Vier Verfahren sind heute verbreitet. Sie unterscheiden sich darin, was ein Teilnehmer einsetzen muss, um mitbestimmen zu dürfen.
Für öffentliche Netze, in denen jeder mitmachen darf, kommen nur die ersten beiden infrage. Für Netze zwischen bekannten Firmen sind die letzten beiden üblich, sie sind schneller und brauchen nur so viel Strom wie die beteiligten Server.
Der Weg eines Eintrags in die Kette
Was passiert, wenn ein Mitarbeiter in einem Lager auf „Übergabe bestätigen“ klickt und das Programm im Hintergrund in eine Blockchain schreibt? Vier Stationen, die zusammen je nach Netz zwischen wenigen Sekunden und einigen Minuten dauern:
Schematischer Ablauf. Bei Bitcoin dauert ein Block im Mittel zehn Minuten, bei Ethereum zwölf Sekunden, in einem privaten Netz oft wenige Sekunden.
Die wichtigsten Begriffe in einem Satz
- Block
- Ein Paket von Einträgen, das zusammen an die Kette angehängt wird, vergleichbar mit einer Seite im Kassenbuch.
- Hash
- Ein digitaler Fingerabdruck fester Länge, der sich bei der kleinsten Änderung komplett ändert.
- Knoten
- Ein Rechner, der eine vollständige Kopie der Kette hält und neue Einträge mitprüft.
- Konsens
- Die Regel, nach der sich die Knoten einigen, welcher Block als nächster gilt.
- Validator
- Ein Knoten, der über neue Blöcke mitentscheiden darf, nicht nur mitlesen.
- Privater Schlüssel
- Eine geheime Zahl, mit der Sie Einträge unterschreiben. Wer sie hat, handelt in Ihrem Namen.
- Wallet
- Ein Programm oder Gerät, das private Schlüssel verwahrt und Unterschriften erzeugt.
- Smart Contract
- Ein Programm, das in der Blockchain liegt und Regeln automatisch und für alle gleich ausführt.
- Token
- Ein digitaler Wert oder ein Recht, das ein Smart Contract verwaltet, etwa ein Gutschein oder Anteil.
- Layer-2
- Ein eigenes, schnelleres Netz, das seine Ergebnisse gebündelt in einer großen Blockchain absichert.
Eine Blockchain in 20 Zeilen, und warum das noch keine ist
Das Prinzip der verketteten Blöcke lässt sich mit wenigen Zeilen Python zeigen. Das Programm hängt zwei Einträge an, prüft die Kette, fälscht dann einen alten Eintrag und prüft erneut:
import hashlib, json, time
def block_hash(block):
return hashlib.sha256(json.dumps(block, sort_keys=True).encode()).hexdigest()
chain = [{"nr": 0, "zeit": 0, "daten": "Start", "vorher": "0" * 64}]
def anhaengen(daten):
letzter = chain[-1]
chain.append({"nr": letzter["nr"] + 1, "zeit": int(time.time()),
"daten": daten, "vorher": block_hash(letzter)})
def pruefen():
return all(chain[i]["vorher"] == block_hash(chain[i - 1])
for i in range(1, len(chain)))
anhaengen("Lieferschein 4711 übergeben")
anhaengen("Rechnung 2026-118 bezahlt")
print(pruefen()) # True
chain[1]["daten"] = "Lieferschein 4712 übergeben"
print(pruefen()) # False
Lauffähig mit Python 3, ohne zusätzliche Bibliotheken. Wir haben die Ausgabe True, dann False nachgeprüft.
Das ist eine verkettete Liste mit Fingerabdrücken, aber noch keine Blockchain. Es fehlen genau die Teile, die Aufwand und Kosten verursachen:
- Ein Netz: Knoten, die Blöcke untereinander verteilen, sich gegenseitig finden und nach Ausfällen wieder aufholen.
- Konsens: Regeln, nach denen sich die Knoten auf den nächsten Block einigen, auch wenn einige ausfallen oder lügen.
- Identitäten und Signaturen: Jeder Eintrag wird mit einem privaten Schlüssel unterschrieben. Wer den Schlüssel verliert, verliert den Zugriff, wer ihn stiehlt, handelt in fremdem Namen.
- Programmierbare Regeln: Smart Contracts, die festlegen, wer was eintragen darf und was dabei automatisch passiert.
Deshalb baut heute kaum jemand eine Blockchain von Grund auf. Man nutzt erprobte Software und konfiguriert sie, oder man setzt Programme auf eine bestehende Kette.
Was eine Blockchain kann und was nicht
Öffentlich oder privat: zwei sehr verschiedene Dinge
Unter dem Wort Blockchain laufen zwei Arten von Netzen, die sich in der Praxis stärker unterscheiden als ihr gemeinsamer Name vermuten lässt.
Öffentliche Blockchain
- Jeder darf mitlesen, mitschreiben und einen Knoten betreiben.
- Tausende unabhängige Teilnehmer, keiner hat das Sagen.
- Jeder Eintrag kostet eine Gebühr.
- Beispiele: Bitcoin, Ethereum, Polygon.
Private oder Konsortium-Blockchain
- Nur zugelassene Firmen nehmen teil.
- Eine Handvoll bekannter Validatoren.
- Schnell, keine Gebühren je Eintrag, Daten nicht öffentlich.
- Beispiele: Netze mit Hyperledger Besu oder Fabric.
Schematische Darstellung. Orange links: neue Teilnehmer, die jederzeit dazukommen können. Rechts: der Zugang ist verschlossen.
Der Haken am privaten Netz: Wenn ohnehin nur vier bekannte Firmen teilnehmen, könnte auch eine von ihnen oder ein gemeinsamer Dienstleister eine gewöhnliche Datenbank führen. Das private Netz ist dann sinnvoll, wenn keiner der Partner dem anderen diese Rolle zugestehen will und alle eine eigene, vollständige Kopie verlangen.
Der Test: Brauchen Sie überhaupt eine Blockchain?
Forscher der ETH Zürich haben 2017 einen einfachen Entscheidungsweg veröffentlicht, der bis heute trägt. Wir nutzen ihn in leicht vereinfachter Form. Lautet eine der vier Antworten Nein, ist eine Datenbank mit sauberem Änderungsprotokoll fast immer die bessere Lösung.
- Müssen mehrere Parteien Daten schreiben?Schreibt nur Ihr Betrieb, reicht Ihre eigene Datenbank. Ein gemeinsames Register lohnt sich erst, wenn Lieferanten, Kunden oder Partner gleichberechtigt eintragen.
- Vertrauen sich diese Parteien nicht vollständig?Wenn alle einer Stelle vertrauen, etwa einem Verband oder einem Dienstleister, kann diese Stelle das Register führen.
- Soll es bewusst keine zentrale Stelle geben?Gibt es eine neutrale Instanz, die alle akzeptieren, ist sie fast immer günstiger als ein verteiltes Netz.
- Müssen die Einträge dauerhaft und für alle Beteiligten prüfbar sein?Reicht es, wenn nur Sie selbst prüfen können, genügt ein signiertes Protokoll mit Zeitstempel.
Die meisten Anfragen, die mit „Wir brauchen eine Blockchain“ beginnen, scheitern an Frage eins oder zwei. Das ist kein Fehler, sondern ein Ergebnis: Eine Datenbank mit Änderungsprotokoll ist schneller gebaut, günstiger im Betrieb und DSGVO-freundlicher.
Vier Wege zur eigenen Blockchain
Wer den Test besteht, hat vier Möglichkeiten. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wer die Knoten betreibt und wer die Regeln bestimmt.
| Weg | Wer betreibt das Netz | Typische Werkzeuge | Passt für |
|---|---|---|---|
| Smart Contract auf bestehender Blockchain | Tausende fremde Knoten, Sie zahlen Gebühren je Transaktion | Solidity, Foundry oder Hardhat, Ethereum oder ein Layer-2-Netz | Nachweise, Token, Zahlungen, die öffentlich prüfbar sein sollen |
| Eigenes Layer-2-Netz (Rollup) | Ein Betreiberdienst oder Sie selbst, abgesichert über Ethereum | OP Stack, Arbitrum Orbit, ZK Stack; Dienste wie Conduit oder Caldera | Plattformen mit vielen Transaktionen, die eigene Gebühren und Regeln wollen |
| Private oder Konsortium-Blockchain | Die beteiligten Firmen, mindestens vier Validatoren | Hyperledger Besu mit QBFT, Hyperledger Fabric | Geschlossene Gruppen bekannter Partner, etwa in Lieferketten oder Banken |
| Komplett eigene Blockchain | Sie, und Sie müssen genug unabhängige Betreiber gewinnen | Cosmos SDK, Polkadot SDK, eigene Entwicklung | Fast nie. Nur, wenn ein eigenes Netz das Produkt selbst ist |
Für die allermeisten Vorhaben ist der erste Weg der richtige. Ein Smart Contract auf einer bestehenden Kette kostet keine eigene Infrastruktur und erbt die Sicherheit eines großen Netzes. Ein typisches Beispiel ist ein Nachweisregister: Das Dokument bleibt bei Ihnen, in die Kette kommt nur sein Fingerabdruck mit Zeitpunkt.
// SPDX-License-Identifier: MIT pragma solidity ^0.8.24; contract Nachweisregister { event Eingetragen(bytes32 indexed fingerabdruck, address von, uint256 zeit); mapping(bytes32 => uint256) public eingetragenAm; function eintragen(bytes32 fingerabdruck) external { require(eingetragenAm[fingerabdruck] == 0, "schon eingetragen"); eingetragenAm[fingerabdruck] = block.timestamp; emit Eingetragen(fingerabdruck, msg.sender, block.timestamp); } }
Minimales Nachweisregister in Solidity. Für den Einsatz kommen Zugriffsrechte, Tests und eine Prüfung hinzu.
Ein Beispiel von Anfang bis Ende
Damit das Ganze greifbar wird, spielen wir ein ausgedachtes, aber typisches Vorhaben durch. Ein Hersteller von Industriebatterien, eine Spedition, ein Händler und ein Recyclingbetrieb wollen gemeinsam nachweisen, woher eine Batterie stammt, wer sie wann übernommen hat und wann sie zurückkam. Das Beispiel ist nicht aus der Luft gegriffen: Für Industriebatterien über 2 kWh, die ab dem 18. Februar 2027 neu in der EU verkauft werden, schreibt die EU-Batterieverordnung einen digitalen Batteriepass vor. Das ist ein Datensatz zu Herkunft, Material und Zustand der Batterie, den man über einen QR-Code am Gehäuse aufruft. Die Daten dafür müssen die Beteiligten also ohnehin sammeln.

Der Vier-Fragen-Test
- Schreiben mehrere Parteien? Ja, alle vier tragen Übergaben ein.
- Vertrauen sie sich nicht vollständig? Teilweise. Bei Schäden und Fristen geht es um Geld, jeder will seinen Teil belegen können.
- Soll es keine zentrale Stelle geben? Hier entscheidet sich das Vorhaben. Wenn der Hersteller das Register führt und die anderen damit einverstanden sind, reicht eine Datenbank beim Hersteller. Wollen Spedition und Recycler das nicht, weil der Hersteller dann allein ändern könnte, spricht das für eine Kette.
- Muss es für alle dauerhaft prüfbar sein? Ja, auch nach Jahren, etwa bei einem Gewährleistungsstreit.
Nehmen wir an, die Partner einigen sich auf eine Kette. Dann sieht der Aufbau so aus:
Batterie 8F-2207 · übergeben an Spedition · 4bbf3a37…0b4e · 06.11.2026 09:14Beispielansicht. Dokumente, Fotos und Namen bleiben bei jedem Partner, in der Kette stehen nur Prüfsummen.
Jeder Partner behält seine Unterlagen im eigenen System. Bei jeder Übergabe errechnet das Programm einen Fingerabdruck des Übergabeprotokolls und schreibt ihn mit Zeitpunkt in die gemeinsame Kette. Kommt es zum Streit, legt die Spedition ihr Protokoll vor, jeder rechnet den Fingerabdruck nach, und die Kette zeigt, ob das Dokument seit dem Tag der Übergabe unverändert ist.
Für die Technik gibt es zwei sinnvolle Wege. Entweder ein privates Netz mit Hyperledger Besu, bei dem jeder der vier Partner einen Validator betreibt, genau die Mindestzahl für QBFT. Oder ein Smart Contract auf einem öffentlichen Layer-2-Netz, dann betreibt niemand eigene Server, und die Partner zahlen nur kleine Gebühren je Eintrag. Weil in der Kette ohnehin nur Prüfsummen stehen, ist die Öffentlichkeit hier kein Datenschutzproblem. Für vier Partner mit überschaubaren Mengen ist der zweite Weg meist der einfachere.
Der Bau Schritt für Schritt
Unabhängig vom Weg läuft ein Blockchain-Projekt in denselben Schritten. Die Reihenfolge ist wichtig, weil spätere Änderungen an einer laufenden Kette teuer sind.
- Zweck und Teilnehmer festlegenWer schreibt, wer liest, wer entscheidet über Regeländerungen? Diese Frage nach der Steuerung (Governance) ist bei Konsortien wichtiger als jede Technikwahl.
- Datenmodell trennen: was in die Kette, was nichtIn die Kette gehören Prüfsummen, Zustände und Berechtigungen. Dokumente, Namen und Adressen bleiben in Ihrem eigenen System.
- Netz und Konsens wählenÖffentliche Kette, Layer-2 oder privates Netz, danach richtet sich alles Weitere, von den Kosten bis zur Rechtslage.
- Smart Contracts schreiben und testenJede Funktion bekommt automatische Tests, auch für Missbrauchsfälle. Ein Vertrag, der einmal veröffentlicht ist, lässt sich nur mit vorher eingebauten Mechanismen ändern.
- Unabhängig prüfen lassenBei Verträgen, die Werte verwalten, prüft eine zweite Stelle den Code, bevor er ins Hauptnetz geht. Die großen Schäden der letzten Jahre entstanden fast nie in der Kette selbst, sondern durch Fehler in Verträgen, gestohlene Schlüssel und unsichere Brücken.
- Knoten und Schlüssel einrichtenValidatoren an getrennten Standorten, Überwachung, Sicherung und eine Schlüsselverwaltung, bei der kein einzelner Mensch allein über alles verfügt.
- An bestehende Systeme anbindenWarenwirtschaft, Shop oder Kundenportal schreiben über eine Schnittstelle in die Kette und lesen daraus. Für die Nutzer sieht das aus wie jede andere Software.
- BetreibenUpdates der Knotensoftware, Wechsel von Schlüsseln, neue Teilnehmer aufnehmen, alte entfernen. Dieser Teil läuft so lange wie das Netz.
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er in Projekten am häufigsten unterschätzt wird: die Schlüssel. Wer in eine Blockchain schreibt, unterschreibt mit einem privaten Schlüssel. Es gibt keine Passwort-vergessen-Funktion. Geht der Schlüssel verloren, ist der Zugriff weg. Wird er gestohlen, kann der Dieb in Ihrem Namen handeln, und die Kette nimmt das genauso an wie einen echten Eintrag.

Bewährt haben sich drei Regeln. Schlüssel, die Werte bewegen, liegen auf eigener Hardware und nie in einer Textdatei. Für wichtige Aktionen braucht es mehrere Unterschriften, etwa zwei von drei. Und die Wiederherstellung ist auf Papier oder Metall an getrennten Orten hinterlegt und einmal ausprobiert worden, bevor es ernst wird.
Was eine Blockchain kostet
Die Frage „Was kostet eine Blockchain?“ hat keine Pauschalantwort, aber eine klare Struktur. Fünf Kostenblöcke kommen in jedem Projekt vor, ihr Gewicht hängt vom gewählten Weg ab.
Daraus ergibt sich eine einfache Formel, mit der Sie Angebote vergleichbar machen:
+ 60 × (Server + Betreiberdienst + Betrieb pro Monat)
+ Anzahl Transaktionen × Gebühr
Rechnen Sie mit fünf Jahren, nicht mit dem ersten. Die laufenden Posten übersteigen bei Netzen mit eigener Infrastruktur fast immer die Baukosten.
Die vier Wege im Kostenvergleich
Wie sich die Kostenblöcke auf die vier Wege verteilen, zeigt die folgende Übersicht. Sie ist bewusst ohne Eurobeträge, weil die Summen vor allem vom Umfang abhängen. Die Richtung ist aber immer dieselbe.
| Weg | Aufbau | Laufende Kosten | Eigene Server | Abhängig von Partnern |
|---|---|---|---|---|
| Smart Contract auf bestehender Kette | gering bis mittel | Gebühren je Eintrag | keine | nein |
| Eigenes Layer-2-Netz | mittel | Dienst plus Betrieb | meist beim Dienst | gering |
| Private Blockchain | hoch | Server plus Betrieb | mindestens vier | stark |
| Komplett eigene Blockchain | sehr hoch | dauerhaft hoch | viele, verteilt | existenziell |
Unsere Einordnung, relativ zueinander, keine Preisangabe. Mehr gefüllte Punkte bedeuten mehr Aufwand.
Und der Strom?
Der Ruf der Blockchain als Stromfresser stammt von Bitcoin. Der Cambridge-Index schätzte den Jahresverbrauch im Sommer 2026 auf rund 138 Terawattstunden, mit einer Spanne von etwa 74 bis 242. Das liegt am Proof of Work, bei dem Rechner um die Wette rechnen. Ethereum hat im September 2022 auf Proof of Stake umgestellt und den Verbrauch damit nach eigenen Angaben um etwa 99,95 Prozent gesenkt. Ein privates Netz mit QBFT verbraucht so viel wie die Server, auf denen es läuft. Für ein Betriebsprojekt ist Strom deshalb heute kein Argument mehr gegen eine Blockchain, die Wahl des Verfahrens aber sehr wohl.
Werte und Auswahl laut der Vergleichstabelle auf ethereum.org, abgerufen am 6. November 2026. Die Seite nennt für Bitcoin 149 TWh, der Cambridge-Index schätzte im Sommer 2026 rund 138 TWh. Ethereum heute ist so klein, dass der Balken nicht sichtbar ist.
Wo Blockchain läuft und wo sie scheiterte
Digitale Wertpapiere: läuft
Siemens hat im Februar 2023 eine digitale Anleihe über 60 Millionen Euro nach dem deutschen Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) begeben, auf der öffentlichen Blockchain Polygon. Im September 2024 folgte eine zweite über 300 Millionen Euro auf der privaten Blockchain von SWIAT, einem Gemeinschaftsunternehmen deutscher Banken, die Abwicklung lief mit einer Lösung der Bundesbank in wenigen Minuten. Wichtig für Nachahmer: Wer ein Kryptowertpapierregister führt, braucht dafür eine Erlaubnis der BaFin. Token, die keine Wertpapiere sind, fallen seit Ende 2024 unter die europäische MiCA-Verordnung.
Lieferketten: gescheitert, aber nicht an der Technik

Maersk und IBM haben ihre Logistikplattform TradeLens Anfang 2023 abgeschaltet. Die Technik funktionierte, als Grund nannten die Betreiber die fehlende Zusammenarbeit der Branche. Viele Reedereien zögerten, ein Register zu nutzen, das ein Wettbewerber mitbetreibt. Die Handelsfinanzierungsplattform we.trade von IBM und zwölf europäischen Banken schloss bereits im Mai 2022, weil kein weiteres Kapital zusammenkam. Beide Fälle zeigen, dass der schwierigste Teil einer Konsortium-Blockchain die Teilnehmer sind, nicht der Code.
Für eigene Vorhaben heißt das: Bevor die erste Zeile programmiert wird, sollten alle Partner schriftlich zugesagt haben, dass sie mitmachen, wer welche Kosten trägt und was passiert, wenn einer aussteigt. Ein gemeinsames Register, in das nur einer schreibt, ist teurer als eine Datenbank und bringt nichts.
Digitaler Produktpass: keine Blockchain vorgeschrieben
Ab dem 18. Februar 2027 brauchen Batterien für Elektrofahrzeuge, leichte Verkehrsmittel und Industriebatterien über 2 kWh einen digitalen Batteriepass, weitere Produktgruppen folgen. Häufig wird behauptet, dafür sei eine Blockchain nötig. Die EU verlangt aber maschinenlesbare Daten über offene, austauschbare Standards und einen QR-Code am Produkt, keine bestimmte Technik. Eine Blockchain kann ein Baustein sein, muss es aber nicht.
Unsere Einschätzung
Eine Blockchain ist ein Werkzeug für Misstrauen zwischen mehreren Parteien, kein Werkzeug für Datenspeicherung. Wo mehrere Firmen ein gemeinsames Register brauchen und keine davon es allein führen soll, oder wo Werte digital und öffentlich prüfbar übertragen werden, ist sie die richtige Wahl. Wo ein einzelner Betrieb seine eigenen Daten fälschungssicher ablegen will, reicht ein signiertes Protokoll, gegebenenfalls ergänzt um einen Fingerabdruck in einer öffentlichen Kette als Zeitstempel.
Eine eigene Blockchain von Grund auf ist in fast allen Fällen der falsche Weg. Sie kostet viel, und ihr Wert hängt davon ab, wie viele unabhängige Teilnehmer mitmachen. Der Smart Contract auf einer bestehenden Kette ist der Normalfall, das private Netz die Ausnahme für geschlossene Gruppen.
Erst fragen, wer wem nicht vertraut. Dann entscheiden, ob es eine Kette braucht. Und wenn ja: so wenig wie möglich hineinschreiben.
Blockchain, wo sie passt
Wir prüfen Ihr Vorhaben gegen die vier Testfragen, bauen Smart Contracts in Solidity mit Tests und binden sie an Ihre bestehende Software an. Remote, ganz ohne Zugriff auf Ihren Rechner.
- Prüfung, ob eine Blockchain nötig ist
- Nachweisregister mit Prüfsummen
- Smart Contracts mit Tests
- Anbindung an Shop und Warenwirtschaft
Weiterlesen: Digitaler Euro für Betriebe · Wallet sicher einrichten · KI-Agenten, Wallets und digitale Identität
Quellen
- Satoshi Nakamoto: Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System, 2008, bitcoin.org
- Karl Wüst, Arthur Gervais: Do you need a Blockchain?, ETH Zürich, 2017, eprint.iacr.org
- Hyperledger Besu: Proof of Authority consensus (QBFT, mindestens vier Validatoren), besu.hyperledger.org
- Conduit: Preise für Rollups und Indexierung, abgerufen 06.11.2026, conduit.xyz
- Hetzner: Cloud-Server, Preise ab, abgerufen 06.11.2026, hetzner.com
- Cambridge Centre for Alternative Finance: Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index, ccaf.io
- ethereum.org: Die Zusammenführung (The Merge), ethereum.org
- LBBW: LBBW unterstützt Siemens bei digitaler Anleihe auf der Blockchain, 04.09.2024, lbbw.de
- BTC-Echo: Krypto-Wertpapier, Siemens setzt auf Polygon, Februar 2023, btc-echo.de
- Global Trade Review: Maersk and IBM pull the plug on TradeLens, gtreview.com
- Rödl & Partner: EU-Batterieverordnung, ab Februar 2027 kommt der digitale Batteriepass, 12.03.2026, roedl.com
- IHK Nord Westfalen: Beim digitalen Produktpass läuft die Uhr, ihk.de