Open Source im Betrieb: 50 Werkzeuge ohne Lizenzgebühren
Im Netz kursieren lange Listen mit „100 Open-Source-Programmen“. Viele davon sortieren nach dem Namen, nicht nach dem Nutzen. Wer so eine Liste durchgeht, findet Spiele-Engines neben Firewalls und Molekülsimulationen neben Bürosoftware. Für einen Betrieb taugt das wenig. Wir haben deshalb eine eigene Auswahl zusammengestellt: 50 Werkzeuge, sortiert nach den Aufgaben, die in Büro, Serverraum und Technik tatsächlich anfallen. Jedes Projekt haben wir vor der Aufnahme geprüft. Ein Klick auf den Namen öffnet die Seite des jeweiligen Projekts in einem neuen Fenster.
Wie wir ausgewählt haben
Drei Bedingungen musste jedes Projekt erfüllen. Erstens eine offene Lizenz, der Quellcode ist einsehbar und darf genutzt werden. Zweitens aktive Pflege: Stand 16.09.2026 gab es im Jahr 2026 eine neue Version oder Änderungen am Quellcode. Drittens ein erkennbarer Nutzen für Betriebe im deutschsprachigen Raum.
Daran sind einige bekannte Namen gescheitert. OpenDKIM etwa hat seit 2018 keine neue Version veröffentlicht. Bei anderen Projekten liegt die letzte Version mehrere Jahre zurück und es erscheinen nur Testfassungen. Spiele, Forschungssoftware und Praxisverwaltungen für ausländische Gesundheitssysteme haben wir bewusst weggelassen. Dafür stehen hier Projekte, die in vielen Listen fehlen, weil ihr Name nicht mit „Open“ beginnt: LibreOffice, Nextcloud oder Home Assistant.
Ohne Lizenzgebühr heißt nicht ohne Aufwand. Einrichtung, Updates, Datensicherung und Überwachung kosten Zeit. Wer das nicht einplant, hat nach zwei Jahren ein veraltetes System mit offenen Sicherheitslücken. Unser Modell dafür heißt Lizenz + Service: Die Software ist offen, den Betrieb übernehmen wir.
Büro und Zusammenarbeit
Der Arbeitsplatz ist der Bereich, in dem offene Software am weitesten verbreitet ist und am schnellsten Lizenzkosten spart.
Linux Mint – Einsteigerfreundliches Betriebssystem, das sich für viele Büroplätze als Ersatz für Windows eignet.
LibreOffice – Texte, Tabellen und Präsentationen. Die aktiver entwickelte Wahl gegenüber Apache OpenOffice, das nur noch Wartungsversionen erhält.
Firefox – Webbrowser mit starken Einstellungen für Datenschutz und zentraler Verwaltung per Richtlinien.
Thunderbird – E-Mail-Programm mit Kalender und Adressbuch, auch für mehrere Postfächer.
KeePassXC – Passwortverwaltung als verschlüsselte Datei, ohne Server.
Paperless-ngx – Papierloses Archiv: Scans werden per Texterkennung durchsuchbar und automatisch verschlagwortet.
OpenRefine – Unordentliche Tabellen bereinigen, etwa Kundenlisten mit doppelten Einträgen.
Nextcloud – Dateien, Kalender, Kontakte und gemeinsame Dokumente auf dem eigenen Server.
OpenProject – Projekte, Aufgaben, Zeitpläne und Zeiterfassung im Team.
Element – Teamchat auf Basis des offenen Matrix-Protokolls, auf Wunsch auf eigener Infrastruktur.
Den Umstieg am Arbeitsplatz beschreiben wir ausführlich in Linux Mint statt Windows und Office-Alternativen unter Linux.
Server, Speicher und Datensicherung
Hier entscheidet sich, ob Daten im eigenen Haus sicher liegen. Offene Werkzeuge sind in diesem Bereich seit Jahren Standard, auch in großen Rechenzentren.
openmediavault – Macht aus einem kleinen Rechner einen Datei- und Speicherserver für das Netzwerk.
OpenZFS – Dateisystem mit Schnappschüssen und Prüfsummen, das stille Datenfehler erkennt.
restic – Verschlüsselte, platzsparende Sicherungen auf Festplatte, Server oder Cloud-Speicher.
BorgBackup – Sicherung mit Deduplizierung, bewährt für Server und Arbeitsplätze.
Gitea – Eigene Ablage für Quellcode und Konfigurationen mit Versionsverlauf.
OpenTofu – Server und Cloud-Ressourcen als Textdatei beschreiben und reproduzierbar aufbauen.
OpenSearch – Volltextsuche und Auswertung großer Protokollmengen.
Uptime Kuma – Überwacht Websites und Dienste und meldet Ausfälle sofort.
Eine Sicherung ist erst dann eine, wenn die Wiederherstellung geprobt wurde. Wie wir das aufsetzen, steht unter Backup und Notfallwiederherstellung.
Sicherheit und Netzwerk
Ein großer Teil der weltweiten Verschlüsselung läuft auf offener Software. Offenheit ist hier ein Vorteil: Viele Fachleute prüfen denselben Code.
OpenSSH – Verschlüsselter Zugang zu Servern, Grundlage fast jeder Fernwartung.
OpenSSL – Verschlüsselung und Zertifikate für Websites, Mail und interne Dienste.
WireGuard – Schlankes, schnelles VPN für Außendienst und Homeoffice.
OpenVPN – Etabliertes VPN mit breiter Unterstützung durch Router und Firewalls.
OPNsense – Firewall und Router für das Firmennetz mit übersichtlicher Weboberfläche.
OpenWrt – Ersetzt die Herstellersoftware vieler Router und hält ältere Geräte länger sicher.
OpenSnitch – Zeigt unter Linux, welches Programm wohin Verbindungen aufbaut.
Vaultwarden – Passwortserver für Teams, kompatibel mit den Bitwarden-Apps.
Smart Home, Energie und Sensorik
Für Hallen, Ställe, Gewächshäuser und Photovoltaik ist offene Software oft die einzige Möglichkeit, Geräte verschiedener Hersteller zusammenzubringen und die Daten im eigenen Haus zu behalten.
Home Assistant – Zentrale für Sensoren, Schalter und Automatisierungen, lokal ohne Cloud-Pflicht.
openHAB – Alternative Steuerzentrale mit langer Geschichte und breiter Geräteunterstützung.
Node-RED – Datenflüsse zwischen Geräten und Diensten grafisch verdrahten.
Eclipse Mosquitto – MQTT-Broker, über den Sensoren ihre Messwerte verteilen.
ChirpStack – Eigener Netzwerkserver für LoRaWAN-Funksensoren.
OpenDTU – Liest unterstützte Solar-Mikrowechselrichter lokal aus und steuert sie.
OpenEMS – Energiemanagement für Erzeuger, Batteriespeicher und Verbraucher.
OpenEVSE – Offene Firmware für Ladestationen von Elektroautos.
emoncms – Verbrauchs- und Erzeugungsdaten erfassen und auswerten, aus dem OpenEnergyMonitor-Projekt.
Grafana – Übersichtliche Dashboards für Messwerte aller Art.
Wie ein eigenes Funknetz für Sensoren entsteht, zeigen wir unter LoRaWAN-Funknetze.
KI im eigenen Haus
Offene KI-Werkzeuge erlauben es, Sprachmodelle und Bilderkennung auf eigener Hardware zu betreiben. Vertrauliche Daten verlassen dann das Haus nicht.
Ollama – Offene Sprachmodelle mit wenigen Befehlen auf dem eigenen Rechner oder Server betreiben.
llama.cpp – Effiziente Laufzeit für Sprachmodelle, auch auf Hardware ohne große Grafikkarte.
OpenHands – KI-Agenten, die Programmieraufgaben selbständig bearbeiten.
OpenCV – Bilderkennung und Kameraauswertung, etwa für Zählungen oder Qualitätskontrolle.
OpenVINO – KI-Modelle für Intel-Hardware optimieren und schneller ausführen.
Nicht jedes Projekt mit offenem Code ist frei von Risiken. KI-Agenten mit Zugriff auf Postfächer oder Dateien brauchen klare Grenzen, gleich ob offen oder geschlossen. Mehr dazu in KI auf dem eigenen Gerät.
Web, Daten und Entwicklung
Matomo – Besucherstatistik für Websites, auf eigenem Server betreibbar.
OpenTelemetry – Messwerte, Protokolle und Ablaufspuren aus eigenen Anwendungen einheitlich sammeln.
OpenAPI Generator – Aus einer Schnittstellenbeschreibung Programmcode und Dokumentation erzeugen.
Karten, Drohnen und Konstruktion
QGIS – Geoinformationssystem für Flurkarten, Standortplanung und Auswertungen.
OpenLayers – Interaktive Karten in Websites und Anwendungen einbauen.
openrouteservice – Routen und Erreichbarkeitsgebiete auf Basis von OpenStreetMap berechnen.
OpenDroneMap – Drohnenfotos zu Orthofotos, Höhenmodellen und 3D-Modellen verarbeiten.
FreeCAD – Parametrisches 3D-CAD für Bauteile, Halterungen und Gehäuse.
OpenCPN – Seekarten, Kursplanung und Navigation an Bord.
Wie sich Drohnendaten ohne fremde Cloud auswerten lassen, beschreibt Drohnendaten ohne Cloud auswerten.
Worauf Sie vor dem Einsatz achten sollten
Lizenz lesen. GPL, AGPL, MIT und Apache erlauben die Nutzung im Betrieb. Unterschiede zeigen sich, wenn Sie die Software verändern und weitergeben oder als Dienst für Dritte anbieten. Einige Projekte haben ihre Lizenz in den letzten Jahren geändert. Prüfen Sie die aktuelle Fassung, nicht die aus einer alten Anleitung.
Pflege prüfen. Wann erschien die letzte Version? Wie viele Personen arbeiten mit? Gibt es Sicherheitsmeldungen und werden sie behoben? Ein Projekt mit einem einzigen Entwickler kann hervorragend sein, ist aber ein Risiko, wenn diese Person aufhört.
Betrieb planen. Wer spielt Updates ein? Wer prüft die Datensicherung? Wer bemerkt, wenn ein Dienst ausfällt? Diese Fragen entscheiden über den Erfolg, nicht die Auswahl der Software.
Klein anfangen. Ein Arbeitsplatz, ein Dienst, ein Monat Probebetrieb. Danach wissen Sie, ob die Lösung im Alltag trägt. Warum sich der Schritt weg von großen Plattformen lohnen kann, beschreibt Das Ende der großen Plattformen.
Open Source einführen, ohne den Betrieb aufzuhalten?
Wir richten die Werkzeuge ein, übernehmen Updates, Datensicherung und Überwachung per Fernwartung und passen sie an Ihre Abläufe an.
Zur Service-Seite Linux-SupportPassende Themen:
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