Kurz und ehrlich

Eine harte Zahl gibt es nicht. Was es gibt:

  • 47.400 KIs sind im grössten öffentlichen Verzeichnis gelistet (There's An AI For That, April 2026).
  • ~ 90.000 KI-Plattformen schätzt der Markt insgesamt.
  • 2 Millionen offene Modelle hostet Hugging Face Ende 2025.
  • 4,3 Millionen KI-bezogene Repositories liegen auf GitHub.

Für Privatnutzer in Deutschland sind aber rund 90 KIs wirklich relevant. Die zeigen wir Ihnen jetzt — nach Aufgaben sortiert.

Warum keine eindeutige Zahl?

Weil "KI" kein klar abgegrenzter Begriff ist. Ein eigenständiger Chatbot ist eine KI. Ein Plug-in für Ihren Browser auch. Eine Funktion in Microsoft Word ebenso. Manchmal ist eine "KI" einfach nur ein altes Sprachmodell, das jemand mit einer neuen Webseite versehen hat. Manchmal ist es ein eigenständiges Forschungssystem mit zehn Milliarden Dollar Budget.

Dazu kommen drei Effekte: Erstens sind viele KIs nicht öffentlich gelistet, sondern nur über Suche oder Empfehlung erreichbar. Zweitens verschwinden täglich Dienste vom Markt, während andere starten. Drittens sind viele "KIs" nur Aufsätze auf bestehende Modelle — ChatGPT, Claude und Gemini sitzen unter zehntausenden Anwendungen, die als eigenständige KIs auftreten.

Was Sie als Privatnutzer interessiert, ist eine andere Frage: Welche KI hilft mir wirklich? Darauf hat der Beitrag eine Antwort.

1. Chat-KIs (große Sprachmodelle)

Die Allrounder. Texte schreiben, Fragen beantworten, Ideen entwickeln, übersetzen, zusammenfassen. Wenn Sie nur eine KI nutzen, ist es eine aus dieser Liste.

  • ChatGPT (OpenAI, USA) — bekannteste KI weltweit, sehr breit einsetzbar
  • Claude (Anthropic, USA) — stärkster Konkurrent, besonders gut bei langen Texten und Programmieren
  • Gemini (Google, USA) — gut integriert in Gmail, Docs und Android
  • Microsoft Copilot (Microsoft, USA) — in Windows 11 und Office 365 vorhanden
  • Mistral Le Chat (Mistral, Frankreich) — europäischer Anbieter, Server in EU, deutsch sehr gut
  • Grok (xAI, USA) — in X / Twitter integriert, weniger Filter
  • Perplexity (Perplexity, USA) — Such-KI mit Quellenangaben, gut zur Recherche
  • DeepSeek (DeepSeek, China) — sehr stark in Mathematik und Code, ohne Kosten
  • Qwen Chat (Alibaba, China) — offen-zugänglich, viele Modellvarianten
  • Kimi (Moonshot, China) — sehr lange Texte verarbeiten
  • Meta AI (Meta, USA) — in WhatsApp und Instagram eingebaut
  • HuggingChat (Hugging Face, USA) — offen, mehrere Modelle zur Auswahl
  • Pi (Inflection, USA) — auf Gespräche ausgelegt, ruhiger Ton
  • Poe (Quora, USA) — eine Oberfläche für viele KIs gleichzeitig
  • You.com (You, USA) — Suche plus Chat in einem

2. Bilder erzeugen

Aus Text wird Bild. Für Geburtstagskarten, Präsentationen, Hintergrundbilder oder einfach zum Spaß.

  • Midjourney — ästhetisch führend, über Web-Oberfläche oder Discord
  • Stable Diffusion (Stability AI) — ohne Kosten lokal nutzbar, viele Werkzeuge drumherum
  • Flux (Black Forest Labs, Deutschland) — aktuell das beste offene Modell
  • Adobe Firefly — rechtssicher für kommerzielle Nutzung
  • Leonardo.AI — viele Stilvorlagen, gut für Game-Assets
  • Ideogram — sehr gut für Bilder mit lesbarem Text
  • Recraft — Vektorgrafiken und Logo-Varianten
  • Imagen 4 (Google) — Googles Bildgenerator, hohe Bildqualität
  • Krea — Live-Generierung während des Tippens
  • Magnific — Bilder hochskalieren und schärfen
  • Playground — einsteigerfreundlich
  • Bing Image Creator (Microsoft) — nutzt DALL-E im Hintergrund
  • Canva Magic Studio — KI im Designer-Werkzeug
  • Reve — junger, schneller Anbieter mit sehr realistischen Ergebnissen

3. Videos erzeugen

Hier ist die Entwicklung am rasantesten. Was vor einem Jahr noch wackelig war, sieht heute aus wie Hollywood.

  • Sora (OpenAI) — aktuell das eindrucksvollste Videomodell
  • Runway — etablierter Anbieter, gute Steuerung
  • Pika — sehr beliebt für kurze Clips
  • Luma Dream Machine — gut für Bewegung aus Standbildern
  • Veo (Google) — Googles Antwort auf Sora
  • Kling (Kuaishou, China) — sehr realistische Bewegungen
  • Hailuo (MiniMax, China) — preiswert, gute Qualität
  • Hedra — sprechende Avatar-Videos aus einem Foto
  • Synthesia — Studio-Avatare für Erklärvideos
  • HeyGen — eigenes Gesicht in beliebige Sprachen übersetzen

4. Musik und Sprache erzeugen

Songs aus einer Idee, Sprache aus geschriebenem Text. Beides ist 2026 in einer Qualität angekommen, die viele Hörer nicht mehr von menschlich gemachten Aufnahmen unterscheiden.

  • Suno — komplette Songs mit Gesang aus einem Textsatz
  • Udio — Konkurrent zu Suno, etwas anderer Klang
  • ElevenLabs — beste Sprach-Synthese am Markt, viele Sprachen
  • Murf — Studio-Stimmen für Erklärvideos und Werbung
  • Speechify — lange Texte vorlesen lassen
  • Stable Audio — Hintergrundmusik und Soundeffekte

5. Programmieren

Wer Code schreibt, arbeitet 2026 mit KI. Die folgenden Werkzeuge sparen Stunden bis Tage pro Woche.

  • GitHub Copilot — im Editor mitschreibender Helfer, Industriestandard
  • Cursor — eigener Editor mit tiefer KI-Integration
  • Windsurf (Codeium) — alternative zum Cursor, etwas günstiger
  • Tabnine — Fokus auf Datenschutz und Selbst-Hosten
  • Replit Agent — Browser-IDE mit Bau-Roboter
  • Cline — offener Helfer für VS Code
  • Aider — Programmieren im Terminal mit beliebigen KIs
  • Bolt.new — ganze Webseiten aus einer Textbeschreibung
  • v0 (Vercel) — Oberflächen-Entwürfe per KI
  • Lovable — komplette Anwendungen ohne eigene Code-Kenntnisse
  • Claude Code — Anthropics Terminal-Programmierer, sehr stark

6. Schreiben und Texte verbessern

Spezialisierte Werkzeuge für Marketing, Bücher und korrekte Rechtschreibung.

  • Jasper — Marketing-Texte und Kampagnen
  • Copy.ai — Verkaufstexte und Anzeigen
  • Writesonic — SEO-Texte und Blog-Beiträge
  • DeepL Write — Textverbesserung von DeepL, deutsche Server
  • Grammarly — englische Korrektur, Klassiker
  • Notion AI — KI im Notiz-Werkzeug
  • Sudowrite — auf Bücher und Erzähltexte ausgelegt
  • LanguageTool — deutscher Anbieter aus Potsdam, Datenschutz-fokussiert

7. Suche und Recherche

Anders als Google — diese Suchmaschinen liefern Antworten statt Linklisten und nennen ihre Quellen.

  • Perplexity — aktuell die beliebteste Such-KI
  • Brave Search — eigener Suchindex, Datenschutz-fokussiert
  • Kagi — werbefreie Bezahlsuche mit KI-Zusammenfassungen
  • Phind — speziell für Programmierfragen
  • Andi — experimentelle Suche im Chat-Stil
  • DuckDuckGo AI Chat — anonyme Chat-Schnittstelle zu mehreren KIs

8. Übersetzung

Hier ist der Markt klein und das beste Werkzeug klar.

  • DeepL — deutscher Anbieter aus Köln, mit Abstand der Goldstandard für Übersetzungen
  • Google Translate — viele Sprachen, ohne Kosten, überall integriert
  • Microsoft Translator — in Office und Edge eingebaut

9. Notizen, Dokumente und Meetings

Mit eigenen Inhalten arbeiten — Buch hochladen und Fragen stellen, Meeting mitschreiben lassen, Notizen vernetzen.

  • NotebookLM (Google) — PDFs hochladen und mit der KI besprechen, sehr empfehlenswert
  • Otter — Meeting-Mitschriften und Suche darin
  • Fathom — Zoom- und Teams-Aufzeichnungen automatisch zusammenfassen
  • Mem — Notizen, die sich selbst vernetzen
  • Mymind — persönliches Gedächtnis für Bilder, Texte, Lesezeichen

10. KIs zum Selbst-Hosten (auf Ihrem Computer)

Diese Werkzeuge laden KI-Modelle herunter und betreiben sie auf Ihrem eigenen Rechner. Vorteil: keine Cloud, keine Datenübertragung, kein Abo. Nachteil: Sie brauchen einen halbwegs aktuellen Computer mit ordentlich Arbeitsspeicher (8 GB minimum, 16 GB komfortabel) und idealerweise eine Grafikkarte.

  • Ollama — einfachster Einstieg ins Selbst-Hosten
  • LM Studio — grafische Oberfläche für lokale KIs
  • Jan — offene Alternative zu LM Studio
  • GPT4All — viele Modelle, gute Dokumentation
  • Open WebUI — Chat-Oberfläche für Ollama, sieht aus wie ChatGPT
  • Llamafile — KI als einzelne Datei, kein Setup nötig

11. Begleiter und Stimm-Assistenten

KIs zum Reden — entweder geschrieben (Begleiter) oder gesprochen (Stimm-Assistenten).

  • Replika — persönlicher KI-Begleiter
  • Character.AI — Gespräche mit selbst gestalteten Figuren
  • Sesame — Stimm-KI mit ungewöhnlich natürlicher Sprachmelodie
  • Hume — KI, die Gefühle in Stimmen erkennt
  • Vapi — Telefon-KI für Geschäftskunden (so läuft auch unsere Julia)

Zusammengezählt — was wir Privatnutzern empfehlen

Sie müssen nicht alle 90 KIs ausprobieren. Wir empfehlen ein einfaches Setup:

  1. Eine Chat-KI — ChatGPT, Claude oder Mistral. Probieren Sie eine Woche lang aus, was Ihnen liegt.
  2. Eine Bild-KI — Midjourney für Ästhetik, Adobe Firefly für rechtliche Sicherheit, oder lokal Flux über Ollama.
  3. DeepL für Übersetzungen — weil Google in deutschen Texten oft danebenliegt.
  4. NotebookLM — sobald Sie eigene PDFs durchsuchen wollen.
  5. Ollama oder LM Studio — falls Datenschutz wichtig ist und der Computer mitspielt.

Mehr brauchen die meisten Menschen nicht. Wer doch tiefer einsteigen will, hat mit den 90 Werkzeugen oben einen guten Startpunkt.

Was wir nicht aufgenommen haben

Bewusst weggelassen haben wir KIs, die nur in einem Gerät eingebaut sind (Apple Intelligence, Samsung Galaxy AI), KIs ausschließlich für Geschäftskunden ohne Privat-Stufe, sowie spezialisierte Forschungs-KIs ohne Bedienoberfläche für Endnutzer. Auch wenn diese KIs fachlich relevant sind, kommen Sie als Privatnutzer nicht direkt mit ihnen in Berührung.

Hinweis zu Datenschutz

Die meisten oben gelisteten KIs sind US- oder China-amerikanisch und speichern Ihre Eingaben auf ihren Servern. Für rein private Nutzung mit harmlosen Inhalten ist das in Ordnung. Sobald Sie aber Kundendaten, Firmengeheimnisse, Gesundheits- oder Rechtsfragen eingeben, wird es heikel. Dann gilt: europäische Anbieter (Mistral, DeepL, LanguageTool, Black Forest Labs) oder Selbst-Hosten (Ollama, LM Studio).

Wir richten Privatleuten ihre KI-Konten DSGVO-bewusst ein und beraten, welcher Dienst sich für welche Aufgaben eignet. Mehr dazu unter KI-Einrichtung für Privatleute.