Website-Baukasten oder eigener Server? Die Rechnung, die niemand aufmacht
Baukästen haben ein Versprechen eingelöst: Jeder kann eine Website bauen, ohne eine Zeile Code zu schreiben. Vor zehn Jahren war das eine echte Befreiung. Heute ist es eine Miete, die nie endet, auf einer Seite, die Ihnen nicht gehört. Der Grund, warum das Modell kippt, ist nicht Ideologie. Es ist Arithmetik.
Was die Anbieter aufrufen
Listenpreise je Monat bei Jahreszahlung, Stand August 2026. Die Anbieter ändern Tarife häufig, deshalb steht hinter jeder Zeile die Quelle.
| Anbieter | Einstieg | Mittlerer Tarif | Oberer Tarif |
|---|---|---|---|
| Wix | rund 11 € | rund 22 € | bis 129 € |
| Jimdo | rund 9 € | rund 15 € | bis 39 € |
| Squarespace | rund 16 € | rund 23 € | bis 49 € |
| Webflow | rund 14 $ | rund 23 $ | 39 $ zzgl. Arbeitsplatz |
| IONOS | Aktionspreis | rund 12 € | bis 35 € |
| STRATO | Aktionspreis | rund 10 € | bis 20 € |
| Shopify | rund 29 € | rund 79 € | bis 299 € |
Auf dem Papier sieht das harmlos aus. Zwanzig Euro im Monat gibt jeder Betrieb für weniger aus. Genau darauf ist die Preisgestaltung gebaut: Sie soll unterhalb der Schwelle bleiben, an der jemand nachrechnet.
Die vier Posten, die in keinem Tarifvergleich stehen
Der Verlängerungspreis. Bei IONOS, STRATO und Hostinger liegt das erste Jahr bei einem symbolischen Betrag. Danach greift der Listenpreis, oft das Drei- bis Vierfache. Wer im Aktionsjahr entscheidet, entscheidet auf einer falschen Grundlage.
Die Postfächer. Fast kein Baukasten liefert E-Mail mit. Google Workspace oder Microsoft 365 werden separat abgerechnet, üblich sind fünf bis sieben Euro je Postfach und Monat. Ein Betrieb mit vier Mitarbeitern zahlt dafür mehr als für den Tarif selbst.
Die Apps. Terminbuchung, Bewertungen, Newsletter, mehrsprachige Seiten, Formulare mit Logik: Was im Marktplatz liegt, kostet extra, üblich fünf bis dreißig Euro je Anwendung und Monat. Bei Wix und Shopify ist das der eigentliche Kostentreiber, nicht der Grundtarif. Drei Erweiterungen verdoppeln die Rechnung.
Die Monatszahlung. Wer nicht ein Jahr im Voraus bezahlt, zahlt überall dreißig bis fünfzig Prozent mehr. Die Zahlen aus der Tabelle oben sind bereits die günstige Variante.
Rechnen Sie einen mittleren Tarif, ein Postfach und zwei Erweiterungen über drei Jahre: Sie landen bei etwa 1.500 bis 2.000 Euro. Danach läuft die Miete weiter, unbefristet, bis Sie kündigen. Und wenn Sie kündigen, ist die Seite weg.
Warum Baukasten-Seiten langsam sind
Das ist kein Vorwurf an die Entwickler dieser Systeme. Es ist eine Folge ihres Auftrags.
Ein Baukasten weiß nicht, was Sie bauen werden. Er muss den Schieberegler für Animationen mitliefern, das Buchungsmodul, den Bildergalerie-Effekt, die Mehrsprachigkeit, das Analyse-Werkzeug und die Zustimmungsabfrage. Er lädt einen großen Teil dieser Maschinerie in jeder Seite aus, auch wenn Sie nur einen Text und zwei Bilder zeigen. Dazu kommt eine Ebene, die aus Ihren Klicks im Editor zur Laufzeit HTML erzeugt. Diese Ebene existiert bei einer handgeschriebenen Seite schlicht nicht.
Praktisch heißt das: mehr JavaScript, mehr Anfragen, später sichtbarer Inhalt. Genau die Größen, die Google seit Jahren unter Core Web Vitals misst und die daruber entscheiden, ob ein Besucher auf dem Mobiltelefon bleibt oder zurückgeht. Prüfläufe wie PageSpeed Insights zeigen den Unterschied in wenigen Sekunden, an Ihrer eigenen Seite, ohne Zwischenhändler.
Die Bewertung ist dabei nicht das Problem. Das Problem ist, dass Sie nichts dagegen tun können. Sie haben keinen Zugriff auf die ausgelieferten Dateien, keine Kontrolle über die Reihenfolge des Ladens, keine Möglichkeit, unbenutzten Code zu entfernen. Wenn Ihre Seite langsam ist, können Sie ein Bild kleiner machen. Mehr nicht.
Der Preis, der nicht in Euro steht
Sie mieten. Sie besitzen nicht. Das klingt nach einer Formulierung, ist aber sehr konkret.
Bei Wix und Squarespace gibt es keinen Weg, die fertige Seite mitzunehmen. Sie können Texte kopieren und Bilder herunterladen, aber nicht die Website. Ein Wechsel bedeutet Neubau, mit allem, was daran hängt: neue Adressen, neue Verlinkungen, ein Einbruch bei der Sichtbarkeit in Suchmaschinen für mehrere Monate. Diese Hürde ist kein Versehen. Sie ist der Grund, warum die Miete zuverlässig weiterläuft.
Dazu kommt: Die Preisgestaltung liegt nicht bei Ihnen. Wenn ein Anbieter Tarife umbaut, eine Funktion in einen höheren Tarif verschiebt oder eine Erweiterung einstellt, ist das Ihr Problem und nicht seines. Sie haben keine Verhandlungsposition, weil der Umzug teurer wäre als die Erhöhung.
Was sich 2026 geändert hat
Baukästen hatten lange ein hartes Argument auf ihrer Seite: Die Alternative war teuer. Eine handgeschriebene Website bedeutete Tage bis Wochen Entwicklungszeit, und die musste jemand bezahlen. Gegen 20 Euro im Monat sah das schlecht aus.
Dieses Argument ist erodiert. KI-Entwicklungswerkzeuge wie Claude Code oder OpenAI Codex schreiben strukturiertes HTML, CSS und PHP inzwischen zuverlässig genug, dass der Aufwand für eine saubere Firmenseite von Tagen auf Stunden fällt. Sie lesen bestehenden Quelltext, halten sich an vorgegebene Muster, bauen Formulare, Datenbankanbindungen und Auslieferungsabläufe.
Damit kippt die Rechnung. Nicht weil der Baukasten schlechter geworden wäre, sondern weil das, wogegen er sich verteidigen musste, deutlich günstiger geworden ist.
Die Gegenrechnung
Ein eigener virtueller Server bei einem deutschen Anbieter liegt heute bei rund 6 Euro im Monat. Der netcup VPS 500 etwa kostet 5,91 Euro und bringt zwei Prozessorkerne, 4 GB Arbeitsspeicher und 128 GB NVMe-Speicher mit. Das trägt eine Firmenseite mit großem Abstand, und es trägt gleich mehrere davon.
| Posten | Baukasten, Mittelklasse | Eigener Server |
|---|---|---|
| Grundtarif, 36 Monate | rund 790 € | rund 215 € |
| Domain | rund 45 € | rund 45 € |
| Ein Postfach | rund 215 € | im Server enthalten |
| Zwei Erweiterungen | rund 540 € | im Quelltext enthalten |
| Zertifikat | enthalten | Let’s Encrypt, ohne Zusatzkosten |
| Laufende Kosten, 3 Jahre | rund 1.590 € | rund 260 € |
| Danach | Miete läuft weiter, Seite bleibt beim Anbieter | Quelltext liegt bei Ihnen, umziehbar |
Die Differenz bei den laufenden Kosten beträgt über drei Jahre rund 1.300 Euro. Das ist der Betrag, der für die Erstellung zur Verfügung steht, bevor die Eigenlösung teurer wird als die Miete. Und anders als die Miete fällt er einmal an.
Der Haken, den wir nicht verschweigen
Wer jetzt schließt, dass jeder sich mit einem KI-Agenten seine Website selbst bauen sollte, zieht die falsche Konsequenz. Drei Dinge stehen dagegen, und sie sind ernst.
Ein Agent entscheidet nicht über Sicherheit. Er schreibt Code, der läuft. Ob ein Formular eine Datenbankabfrage durchreicht, ob ein Upload beliebige Dateien annimmt, ob eine Fehlermeldung Serverpfade preisgibt: Das fällt beim Testen nicht auf, weil es funktioniert. Es fällt auf, wenn jemand es findet.
Ein Server will betrieben werden. Betriebssystem-Aktualisierungen, PHP-Versionen, Datensicherungen, die getestet wurden statt nur zu existieren, Zertifikatserneuerung, Fehlerprotokolle. Ein Baukasten nimmt Ihnen genau diese Arbeit ab. Das ist sein bestes Argument und es ist ein echtes.
Der Datenschutz bleibt Ihre Pflicht. Verarbeitungsverzeichnis, Auftragsverarbeitung mit dem Hoster, Zustimmungsabfrage, die tatsächlich blockiert, was sie blockieren soll. Kein Werkzeug übernimmt das für Sie, und die Verantwortung liegt beim Betreiber der Seite.
Das Modell, das aufgeht, ist deshalb nicht Baukasten gegen Selbstbau. Es ist Miete gegen Lizenz und Service: Sie bekommen eine Seite, die Ihnen gehört, auf einem Server, den jemand betreut, der weiß, was er tut. Die KI verkürzt dabei die Erstellung. Sie ersetzt nicht die Verantwortung.
Rechnen Sie Ihre Baukasten-Miete einmal über drei Jahre.
Wir bauen die Seite, richten den Server ein und betreiben ihn. Sie behalten den Quelltext. Alles per Fernwartung, schriftlich, ohne Anfahrt.
Website anfragenWann ein Baukasten die richtige Wahl bleibt
Es gibt diese Fälle, und es wäre unredlich, sie zu verschweigen.
Wenn die Seite drei Unterseiten hat, nie wächst und in zwei Jahren verschwinden darf, ist ein Baukasten das passende Werkzeug. Wenn ein Verein sie ehrenamtlich pflegt und niemand für Betrieb zuständig sein kann, ebenfalls. Wenn ein Projekt in zwei Wochen online sein muss und das Budget bei null liegt, ist die Miete besser als keine Seite.
Die Grenze verläuft dort, wo die Seite geschäftlich trägt. Sobald Aufträge über sie kommen, sobald Sichtbarkeit in Suchmaschinen Geld wert ist, sobald jemand die Ladezeit spürt: Ab da zahlen Sie für eine Einschränkung, die Sie nicht mehr auflösen können, ohne von vorn zu beginnen. Und je länger Sie warten, desto teurer wird dieser Neuanfang.
Der ehrliche Prüfweg, bevor Sie etwas entscheiden
Erstens: Addieren Sie Ihre tatsächliche Rechnung der letzten zwölf Monate. Tarif, Postfächer, jede Erweiterung, Domain. Nicht den Tarifpreis, den Sie im Kopf haben, sondern die Kontoauszüge. Diese Zahl überrascht die meisten.
Zweitens: Lassen Sie Ihre Startseite durch PageSpeed Insights laufen, mobil, nicht am Rechner. Notieren Sie den Wert für den größten Inhaltsbereich.
Drittens: Fragen Sie Ihren Anbieter schriftlich, wie Sie die Seite exportieren können. Die Antwort sagt Ihnen mehr über Ihre Position als jeder Tarifvergleich.
Wenn danach alles passt, bleiben Sie. Das ist eine vertretbare Entscheidung. Sie sollte nur eine Entscheidung sein und keine Gewohnheit.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Website-Baukasten wirklich?
Der Tarifpreis ist der kleinere Teil. Postfächer, Erweiterungen aus dem Marktplatz und der Verlängerungspreis nach dem Aktionsjahr kommen dazu. Ein mittlerer Tarif mit einem Postfach und zwei Erweiterungen liegt über drei Jahre bei rund 1.500 bis 2.000 Euro.
Warum laden Baukasten-Seiten langsamer?
Weil ein Baukasten nicht weiß, welche Funktionen Sie benutzen, und deshalb fast alle mitliefert. Dazu kommt eine Zwischenebene, die Ihre Editor-Eingaben zur Laufzeit in HTML übersetzt. Beides kostet Ladezeit, und Sie können es nicht abschalten.
Kann ich meine Website aus dem Baukasten exportieren?
Bei Wix und Squarespace praktisch nicht. Texte und Bilder lassen sich abziehen, die Seite selbst nicht. Ein Wechsel ist ein Neubau, mit vorübergehendem Verlust an Sichtbarkeit.
Reicht ein KI-Agent allein für eine Website?
Nein. Er verkürzt die Erstellung erheblich, entscheidet aber nicht über Sicherheit, Datenschutz und Betrieb. Ohne jemanden, der den Code prüft und den Server pflegt, tauschen Sie eine Mietkosten gegen ein Risiko.
Was passiert mit meinen Suchmaschinen-Platzierungen beim Umzug?
Bei sauberer Umsetzung wenig: Jede alte Adresse bekommt eine dauerhafte Weiterleitung auf die neue, die Struktur bleibt erhalten. Ohne diese Weiterleitungen verlieren Sie Platzierungen, und zwar dauerhaft.
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