Aus einer Bleistiftskizze wird eine Simulation: ein Katapult, gebaut mit KI
Die kurze Antwort
Die Simulation unten hat eine künstliche Intelligenz programmiert: Claude, das Sprachmodell von Anthropic. Als Vorlage diente das Standbild einer Handzeichnung, der Auftrag bestand aus einem Satz. Nach der ersten Fassung haben wir im Browser drei Mängel gefunden, die KI hat sie behoben und die Einstellungen durch Probeläufe bestimmt. Probieren Sie es selbst aus: Gegengewicht loslassen, Turm treffen, eigene Kisten aufs Papier zeichnen.
Im Modus Anfassen lassen sich alle losen Teile mit Maus oder Finger ziehen. Tastatur: erst in die Zeichnung klicken, dann Leertaste zum Loslassen, R zum Neuaufbau. Vollbild: Simulation auf eigener Seite.
Die Idee
In einer Vorführung zu KI-Werkzeugen lief ein Beispiel unter dem Titel „Sketch to Simulation“: eine Bleistiftzeichnung eines Katapults auf Papier, daneben ein Turm aus Kisten, eine gestrichelte Flugbahn. Aus der Skizze wird ein bewegliches Modell. Die Frage für uns war einfach: Wie weit kommt man damit heute, ohne Forschungslabor, mit einem Standbild und einem Satz?
Der Auftrag an die KI
Die KI bekam das Standbild der Zeichnung und genau diesen Auftrag:
Keine Vorgabe zur Technik, zur Physikbibliothek oder zum Aussehen. Alles Weitere hat die KI aus dem Bild abgeleitet: Katapult mit Rädern, Becher mit Ball, Gegengewicht, Kistenturm, Bleistiftstrich auf Papier.
Was die KI gebaut hat
- Physik: Die offene Bibliothek Matter.js rechnet Schwerkraft, Stöße, Reibung und Gelenke. Wurfarm, Gegengewicht und Ball sind über Gelenke verbunden, der Ball hängt im Becher und wird beim eingestellten Abwurfwinkel gelöst.
- Zeichenstil: Jede Kante wird als leicht verwackelter Doppelstrich gezeichnet. Der Zufall hat einen festen Startwert je Bauteil, deshalb flackert nichts. Alle 170 Millisekunden wechselt das Muster minimal, das Papier wirkt dadurch wie ein Trickfilm.
- Bedienung: Gegengewicht und Abwurfwinkel als Regler, eigene Kisten und Kugeln zeichnen, lose Teile greifen und werfen.
- Selbstprüfung: Vor der ersten Auslieferung hat die KI die Physik ohne Bildschirm durchgerechnet und die Wurfweite für vier Gewichte gemessen, um eine Voreinstellung zu wählen, die in Richtung Turm trifft.
Wo wir nachsteuern mussten
Die erste Fassung lief sofort. Beim Ausprobieren fielen uns trotzdem drei Dinge auf:
| Befund beim Ausprobieren | Ursache | Lösung der KI |
|---|---|---|
| Der Ball wirft keine Kisten um | Kisten zu schwer und zu griffig, Ball zu leicht | Kisten leichter, Ball schwerer und größer, Reibung gesenkt |
| Das Gegengewicht bleibt gleich groß, egal was eingestellt ist | Nur die Masse wurde verändert, nicht die Zeichnung | Das Gewicht wird bei jeder Einstellung neu gebaut und wächst mit der Masse |
| Der Auslösewinkel ist nicht zu sehen | Der Regler steuerte den Armwinkel, nicht die Flugrichtung | Regler zeigt jetzt den Abwurfwinkel über dem Boden, mit Pfeil und Winkelbogen in der Zeichnung |
Für die neuen Voreinstellungen hat die KI nicht geraten, sondern gemessen: 48 Kombinationen aus Gewicht, Winkel, Ballmasse und Kistenmasse ohne Bildschirm durchgerechnet und jeweils gezählt, wie viele Kisten sich bewegen. Danach folgte ein Probelauf in einem echten Browser: acht von zehn Kisten bewegt.
Ein weiterer Punkt kam beim Veröffentlichen hinzu. Die Entwurfsfassung lud Schrift und Physikbibliothek von fremden Servern. Auf unserer Seite liegt beides auf dem eigenen Server, damit beim Aufruf keine Daten an Dritte gehen.
Die Physik in drei Sätzen
Das Katapult arbeitet wie eine Blide: Das Gegengewicht sitzt am kurzen Ende des Hebels, fällt nach unten und reißt den langen Wurfarm nach oben. Je schwerer das Gewicht, desto schneller der Becher und desto weiter der Wurf. Die bekannten 45 Grad als bester Winkel gelten nur, wenn Abwurf und Landung auf gleicher Höhe liegen; der Becher gibt den Ball hoch über dem Boden frei, deshalb trifft ein flacherer Winkel oft besser.
Was das für Betriebe heißt
Das Katapult ist ein Spiel. Der Weg dahin ist es nicht: Von der Skizze bis zur veröffentlichten Seite waren es wenige Gesprächsrunden, und der größte Teil unserer Arbeit war Prüfen, nicht Programmieren. Genau so setzen wir KI in Kundenprojekten ein.
- Produkte erklären: Ein bewegliches Modell zeigt, wie eine Maschine, eine Anlage oder ein Bauteil arbeitet, statt es in drei Absätzen zu beschreiben.
- Varianten durchspielen: Regler für Maße, Lasten oder Mengen, die sofort sichtbar machen, was sich ändert. Das ist die Grundform jedes Konfigurators.
- Schulen und einweisen: Abläufe gefahrlos ausprobieren, bevor jemand an die echte Anlage geht.
Wichtig bleibt die Reihenfolge: Die KI liefert schnell eine lauffähige Fassung, geprüft wird von Hand, mit echten Bedingungen. Die drei Befunde oben fielen erst beim Ausprobieren auf. Der Code lief fehlerfrei, er tat nur nicht, was man beim Hinsehen erwartet.
Eigene Skizze, eigenes Modell
Sie haben eine Zeichnung, ein Datenblatt oder einen Ablauf, der sich bewegen soll? Wir bauen daraus interaktive Werkzeuge als Unikat, mit KI im Entwicklungsweg und mit Prüfung vor der Auslieferung. Mehr dazu unter individuelle Werkzeuge und Individualsoftware.
Häufige Fragen
Hat die KI die Simulation wirklich selbst programmiert?
Ja. Der Programmcode für Zeichenstil, Physikaufbau und Bedienung stammt von Claude, dem Sprachmodell von Anthropic. Die Vorgabe, die Prüfung im Browser und die Rückmeldung zu den Mängeln kamen von uns.
Welche Physik steckt dahinter?
Die offene Bibliothek Matter.js rechnet Schwerkraft, Stöße, Reibung und Gelenke 60-mal pro Sekunde. Das Katapult arbeitet wie eine Blide: Ein schweres Gegengewicht am kurzen Hebelarm reißt den langen Wurfarm nach oben.
Warum fliegt der Ball bei 45 Grad nicht am weitesten?
Die 45 Grad gelten nur, wenn Abwurf und Landung auf gleicher Höhe liegen. Der Becher gibt den Ball hoch über dem Boden frei, deshalb reicht ein flacherer Winkel weiter.
Werden für die Simulation Daten an fremde Server geschickt?
Nein. Physikbibliothek, Schrift und Programmcode liegen auf unserem eigenen Server. Die Simulation rechnet vollständig in Ihrem Browser.
Bauen die Netzhandwerker solche Simulationen auch für Betriebe?
Ja. Wir bauen interaktive Produkterklärungen, Konfiguratoren und Rechenmodelle als Unikat, mit KI im Entwicklungsweg und mit Prüfung vor der Auslieferung.
Quellen
- Matter.js: 2D-Physikbibliothek für das Web (MIT-Lizenz)
- Anthropic: Claude
- Wikipedia: Tribok (Blide)
- Wikipedia: Wurfparabel
Stand: September 2026. Programmcode der Simulation erstellt mit Claude (Anthropic), Physik mit Matter.js 0.19 unter MIT-Lizenz, Handschrift Caveat unter SIL Open Font License, alle Dateien auf unserem Server.